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The Acting Apes
von: Igor EberhardErst kommt der Affe, dann der Mensch oder umgekehrt? So genau lässt sich das nicht feststellen. Aus der tiefsten sachsen-anhaltinischen Provinz am Ende der Welt kommen drei süße Äffchen. Eigentlich sind sie gar nicht süß und noch weniger Äffchen, sondern ein Psychobilly-Trio mit dem eigenwilligen Bandnamen The Acting Apes. Gitarrist und Sänger Johnny Longneck stand dem PitXplorer Rede und Antwort.
pitXplorer (Igor): Seltsame Bandnamen gibt es Viele. Eurer gehört dazu. Woher kommt der Name?
The Acting Apes (Johnny): Bonjour, ja wir hatten ewig überlegt wegen einem Bandnamen. Hatten sehr skurrile Dinge dabei, die es letztendlich eh schon irgendwie alle gab. Könnten jetzt genauso gut, so was wie „Timeless“ oder „Another Destination“ heissen. Es war echt nicht einfach. Ich bemerkte aber immer, dass unser Basser wie ein Affe aussieht. Dann lag ich nun eines Tages in der Badewanne, habe mir was mit Apes einfallen lassen und da kam mir der Gedanke. Auch wegen dieser wunderschönen Alliteration. Nennt man das so? Glaube schon. Der Name ist inzwischen vielen schon bekannt. Auch wenn ich ab und zu das Gefühl habe, dass wir dadurch nicht ganz ernst genommen werden. Aber wer mal genauer hinhört, merkt dass wir keine Dschungelbewohner mit Bambusinstrumenten sind. Interview
pitXplorer (Igor): Also wollt ihr eure Hörer verwirren. Mich habt ihr auf jeden Fall verwirrt. Und was heißt „Acting Apes“ jetzt genau?
The Acting Apes (Johnny): So gesehen könnte man es als „die schauspielernden Affen“ bezeichnen. Man kann sich das aber auch weiterspinnen. Es könnte auch „die amtierenden Affen“ sein. Aber mein philosophischer Hintergrund wäre irgendwie so etwas in Richtung Gesellschaftssatire: „Sind wir nicht alle nur Affen, die sich wie Menschen benehmen? Oder sind wir doch Menschen, die sich wie Affen benehmen?“ Das war mal so ein Ansatz dazu, ist aber viel zu lang um es zu erklären. Aber wenn man danach geht, wie wir uns manchmal auf der Bühne benehmen dann könnte das erste Beispiel oben wohl doch am zutreffensten sein.
pitXplorer (Igor): Im Infozettel werdet ihr als „musikalische Wunderaffen“ bezeichnet. Seid ihr das?
The Acting Apes (Johnny): Hahaha , ich hab’s gelesen! Ja, wie man auf so eine abgedrehte Beschreibung kommt, weiss ich auch nicht, gefällt mir aber! Ich sage jetzt einfach mal was zu unseren musikalischen Hintergrund. Wir spielen inzwischen alle unsere Instrumente seit mehreren Jahren. Da ist schon etwas an Geschicklichkeit an den Dingern hängen geblieben. Aber Wunderaffen wäre wohl etwas übertrieben. Ich denke es ist der Einfluss von zum Beispiel The Living End und meine persönliche Macke, keine 0815-Songs zu schreiben. Jedoch könnte echt noch einiges mehr drin sein. Aber selber ist man ja nie so richtig zufrieden, nicht wahr.
pitXplorer (Igor): Wo zum Teufel liegt Bad Dürresberg?
The Acting Apes (Johnny): Du meinst wohl Bad Dürrenberg! Ja, die Stadt mit Europas größten Gradierwerk ... Es liegt in Sachsen-Anhalt zwischen Halle(Saale), Leipzig und falls es jemand was sagt – Naumburg. Es ist ein kleines idyllisches Fleckchen auf der Landkarte, wo wir groß geworden sind. Aber mal im Ernst – inzwischen ist hier echt der Hund verreckt.
pitXplorer (Igor): Ja genau, Bad Dürrenberg. Was ist denn ein Gradierwerk? Und ein Kurort ist das auch, oder?
The Acting Apes (Johnny): Ein Gradierwerk dient zur Salzgewinnung. Da fließt irgendwie an Reisigbündeln Sole entlang und das soll wohl fetzen. Ist angeblich auch gut für die Atemwege, wenn man da lang läuft. Ich bin nicht so gut im Erklären, also belass ich es hier bei der Kurzform. Aber ja, drumherum ist der wunderbare Kurpark, wo wir früher als Punker abgehangen haben und uns nachmittags bei 30° Grad das Bier die Kehlen runtergespühlt haben. Sonntags sind da aber die älteren Leute anzutreffen. Früher mal eine Touristenattraktion. Heute wohl einfach nur eine Ruine.
pitXplorer (Igor): Wie kommt man in der tiefsten Provinz zum Psychobilly?
The Acting Apes (Johnny): Ja, du kennst das ja vielleicht. Man hängt so rum, ein Kumpel kommt an und sagt dir „Ey, ich habe hier irgendwie so eine verdammt geile Scheibe in die Hand gekriegt. Is irgendwie mal was anderes“ und so machte es die Runde, ein paar gefiel es. Die Meisten mochten es aber eher weniger. Eigentlich war unsere Runde von Musikern und Leuten, die gern Mucke hörten, früher alles mal Punkrocker, die irgendwie in ihre Richtungen gewandert sind. Manche davon mögen nun Screamo, manche Metal und wir kleiner Haufen mögen diese flotte, wahnsinnige Musik mit Kontrabass.
pitXplorer (Igor): Warum ausgerechnet diese Musik?
The Acting Apes (Johnny): Privat hören wir auch häufig noch Punkrock und anderes Zeug. Aber wir hatten keine Lust eine der zehn Millionen Punkbands auf diesem Planeten zu sein. Wer sticht denn da heute noch raus? Vorher hatten wir ja eine kleine Punkrock-Band die aber auch nur mäßig Erfolg hatte. Nach der Auflösung war es für uns irgendwie klar dass wir Manuel und ich diese Musik machen wollten. Es war einfach irgendwas, was man sonst nicht so schnell zu Ohren bekommt. Mit dem Hauch an Einzigartigkeit und einfach dem gewissen Etwas. Und trotzdem irgendwie noch „anhörbar“.
pitXplorer (Igor): Gibt es bei euch eine Szene? Muss man sich das Szeneleben wie in Rocko Schamonis „Dorfpunks“ vorstellen oder ging wirklich die Post ab?
The Acting Apes (Johnny): Hier gibt es nur eine Hand voll Leute, die sich dem Mainstream entgegensetzen und auf alternative Musik stehen. So hängen hier Oi!s mit Punks und jeder mit jedem irgendwie ab. Als wir noch etwas jünger waren, lief wirklich alles noch über Mundpropaganda und man bekam von seinen Kumpels die Scheiben die gerade so „in“ waren bei den Leuten. Man hat zusammen gefeiert und tut es teilweise auch heute noch. Aber jeder ging irgendwie so in seine eigene Richtung. Selbst unter uns „Dorfpunks“ sind wir die einzigen die Psychobilly hier hören.
pitXplorer (Igor): Mit wem werdet ihr lieber verglichen: Mit The Peacocks oder mit Living End?
The Acting Apes (Johnny): Eindeutig The Living End. Nichts gegen die Peacocks. Aber deren Musik lernten wir erst kennen, als wir schon voll dabei waren. Irgendwie. The Living End war einfach etwas, was wir seit Jahren kannten. Das self-titled Album zählt zu meinem Top-Favourite-Alben of all time. Sie haben mich bzw. uns echt stark beeinflusst, auch wenn wir eigentlich nie wollten, dass wir genauso klingen. Wir hatten immer so einen „wir müssen uns irgendwie vom Rest abheben“-Tick. Aber selbst das nicht mal. Eigentlich haben wir nur das gemacht, worauf wir gerade Bock hatten. Köfte hat im aktuellen Dynamite! ja über The Living End etwas geäussert, dass man „nicht mal erkennt aus welcher Szene sie stammen“ Aber das ist uns irgendwie ziemlich egal. Sie sind auch heute noch musikalisch einfach die kreativste Band, die ich kenne.
pitXplorer (Igor): Gerade ist euer Debütalbum „Dirty Intentions“ erschienen. Was erwartet die Hörer?
The Acting Apes (Johnny): Ja, nach viel Arbeit hat es endlich geklappt mit dem ersten Longplayer. Tausend Dank nochmal an Guido von Crazy Love Records. Es sind eigentlich die Songs, die die letzten Jahre, um uns entstanden sind und die noch nicht auf der EP waren. Bis auf “Kiss Of Aa Vampire“, den wir endlich nochmal im Studio richtig aufnehmen wollten. Somit ist nun die erste Hälfte etwas flotter und es geht um Sex, Liebe, Wahnsinn, Frauen und Lust und einfach um Dinge, die mich irgendwie positiv oder auch eher negativ beschäftigt haben. Dann mit „Fake TV“ kommt etwas komplett Neues. Ich hatte für das Riff am Anfang schon die Idee vor Jahren, aber mir ist nie eingefallen wie man den Rest gestalten könnte. Bis vor dem Album. Es geht einfach darum, dass mich der Mist im Fernsehen nur noch ankotzt. Sei es die Casting Shows oder das Hartz-IV-TV ... Alles Sendungen, die von vorne bis hinten inszeniert sind. Wie mich das aufregt. Schön das Drehbuch kurz gelesen und dann Kamera schnell eingeschaltet. Hauptsache irgendwas senden. Fuck it. So weiter: Die nächsten Songs sind etwas ruhiger. In “You Wanna Live“ verbirgt sich der erste Song, den wir jemals geschrieben haben. Am Ende knallt’s nochmal rein mit “Calm Down And Drink A Beer“. Kurz gefasst: Es ist kein typisches Psychobilly-Album. Ich würde sagen es ist 40% Psycho, 40% Punkabilly und 20% etwas, was man so auf nem Album dieser Richtung garnicht erwarten würde (“Stillwater Runs Deep“ oder eben “Fake TV“). Alles in allem sind wir aber sehr zufrieden mit dem Werk und ich denke, es kann sich definitiv sehen und hören lassen!
pitXplorer (Igor): 40% von dem, so und so viel Prozent von dem ... Das klingt fast wie eine Inhaltsangabe bei einem Medikament oder einem Fertiggericht, was ja nicht immer leicht zu unterscheiden sein muss. Habt ihr das Gefühl, ihr müsst Schubladen aufmachen und euch da irgendwie hineinquetschen?
The Acting Apes (Johnny): Nein, eigentlich ganz im Gegenteil. Wenn ein Song entsteht, dann gucken wir erstmal wie der ungefähr klingen soll und versuchen das unseren Ansprüchen irgendwie gerecht zu machen. Wir wollten nie eine von den Bands sein, bei denen eine Platte von vorne bis hinten gleich klingt. Deshalb mal so und mal so. Bei den Prozenten hab ich nur grob geschätzt, wie viel es ungefähr ist. So richtig Fan von Schubladendenken waren wir noch nie. Aber wir haben festgestellt, die Leute brauchen wohl ihr Fertiggericht um sich irgendwie an Schubladen zu orientieren. Viele zumindest. Wenn dann auf einmal eine Band kommt die unterschiedlich klingt dann denken einige: „Oh Hilfe, was ist das denn? Ich ...ich ….ahh ... Scheiße, ich höre lieber, das was ich kenne ...“ So haben wir manchmal den Eindruck. Was vielleicht auch der Grund ist dass wir Anfangs hier und da Probleme hatten irgendwie Anklang bei eingefleischten Fans zu bekommen. Deshalb wird die nächste EP mal etwas Neues. Eine CD, die von vorne bis hinten durchlaufen kann bei ein und der selben Atmosphäre ...
pitXplorer (Igor): Wie unterscheidet es sich von euren Samplerbeiträgen für „Teenagers From Outer Space“?
The Acting Apes (Johnny): Auf dem Sampler waren ja zwei Stücke von unserer EP “Facing the Facts“. Die hatten wir ja damals noch selber rausgebracht. Ich denke, die Songs sind nicht mehr so verwirrend und man erkennt viel schneller eine Struktur. Bei der EP hat man sich wohl ewig noch gefragt, warum wir das jetzt so gemacht haben. Das Album ist einfach eine runde Sache und den Reaktionen zufolge will man, wenn das Ding einmal läuft, garnicht mehr aus dem Player nehmen. Ja, wir sind nicht größenwahnsinnig! Aber mal im Ernst. Es knüpft an die Qualität der früheren Songs an, hier und da ist es noch besser, ist aber definitiv keine zu perfekte Sache. Wir haben unsere Makel, die uns ausmachen. Nach den Samplerbeiträgen würde ich sagen, haben wir nun unseren Stil gefunden. Erstmal ...
pitXplorer (Igor): Also definiert ihr euch nicht nur über eure Musik, sondern auch über die Fehler in eurer Musik? Versteh ich das richtig? Was ist denn an Fehlern oder Makeln gut?
The Acting Apes (Johnny): Was heisst, wir definieren uns an den Fehlern? Ich für meinen Teil, bin kein Fan von dem meisten Zeug, das im Radio kommt. Es ist einfach zu perfekt und zu schön. Ich finde ein Makel macht eine Band erst authentisch und macht dann vielleicht den Wiedererkennungswert aus. Bei mir ist es vielleicht auch der Gesang. Auch beim Gitarrenspiel bin ich nicht so sauber, obwohl ich schon gern die Fingerfertigkeit eines Chris Cheney (Living End) hätte. Aber so sind wir nun und der Eine oder Andere wird sicher schmunzeln, wenn er sieht, dass ich mal etwas verrissen habe. Macht das nicht irgendwie auch sympathisch? Leute ohne Makel findet man dann im Fernsehen als Begleitband von irgendwelchen Superstars hinten stehen, die einfach nur das spielen was ihnen gesagt wird.
pitXplorer (Igor): Soll man euer Album kaufen oder reicht downloaden?
The Acting Apes (Johnny): Ach, weißt du ... Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um ein astreines Werk in optischer und akustischer Hinsicht abzuliefern. Da reicht downloaden! Natürlich nicht! Wir alle kennen die Probleme des Downloadens. Aber wer das Ding schon mal in den Händen gehalten hat, warum mit ein paar MP3s zufrieden geben? Wir geben uns echt Mühe den Fans und Hörern keinen Schrott anzudrehen. Das Resultat kann sich definitiv sehen lassen. Wenn sich das Ding aber nicht verkauft; gibt uns das Feedback und wir sollten mal drüber nachdenken; nicht einfach aufzuhören, wenn sich Keiner dafür interessiert. Zum Glück ist das nicht der Fall. Nach Konzerten sind wir schon so einige Alben gut losgeworden. Und ich denke, die Leute haben echt Bock auf unsere Mucke. Reich wird davon keiner von uns, das ist uns ja klar. Aber jeder Kauf unterstützt uns einfach auch, so dass es noch eine weitere CD der „Wunderaffen“ geben wird.
pitXplorer (Igor): Und was ist mit Vinyl?
The Acting Apes (Johnny): Gute Frage , nächste Frage. Nee, also wäre cool, wenn das gute Stück auch auf Vinyl erscheint. Aber ich habe keine Ahnung, ob sich das schon lohnen würde. Will Guido von Crazy Love auch nicht in den Ruin treiben. Wenn wir jedoch noch ein paar mehr verkauft haben , könnte man darüber nochmal sprechen. Bock hätten wir auf jeden Fall.
pitXplorer (Igor): Was sind eure weiteren Pläne, um berühmt, reich und sexy zu werden?
The Acting Apes (Johnny): Reich und sexy sind wir schon. Okay eine Sache davon war falsch ... Hmm. Lass mich nachdenken. So ... Also wir versuchen uns im Moment noch ordentlich, um Promo zu kümmern. Wer nichts von dem Ding weiss, wird es wohl auch nicht zu Hören bekommen. Also Werbung Werbung Werbung. Das passiert zum Beispiel durch viel Touren. Doch eigentlich hat uns das Touren auch immer die Zeit geraubt, um mal Songs zu schreiben und aufzunehmen. Also versuchen wir nur die wichtigeren Sachen in Zukunft mitzunehmen. So dass es gegen Ende des Jahres eine weitere EP von uns geben wird. Dieses mal komplett anders … Wir haben uns vorgenommen eine Konzept-EP rauszubringen die 99% nach Psycho klingt.
pitXplorer (Igor): Ihr seid sehr viel auf Tour. Was ist weiter für die Zukunft geplant?
The Acting Apes (Johnny): Ja, innerhalb der letzten drei Jahren auf der Bühne haben wir 100 Gigs gespielt. Inzwischen haben wir auch den Herrn von C.M.I Booking, der uns da demnächst unterstützt. Neben kleineren Gigs, kam auch vor kurzem die Anfrage für ein heißes Bikerfest in Nord-Italien, worauf wir uns freuen. Vorher natürlich das Psychomania Rumble, das wir nicht erwarten können. Im August soll es dann endlich mal eine kleine Tour geben. Bisher hatten wir uns ja nur am Wochenende rausgetraut, da unter der Woche spielen fast sinnlos ist für kleinere Bands. Aber mal schauen wie es wird. Ansonsten mal weiter weg, wäre nicht schlecht. Worauf wir alle Bock hätten, wäre eine Japan-Tournee. Warten wir ab, was sich ergibt.
pitXplorer (Igor): Danke für das Interview.
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