Matt Voodoo
von: Diana HöningJedem Künstler wohnt ein eigener Zauber inne. Mit seiner Energie, Hingabe und Jahre an musikalischer Erfahrung ist der Gitarrist, Sänger und Songwriter Matt Voodoo ein Typ, der weiß, wie man die Zuhörer in seinen Bann zieht. Der Kalifornier ist vielen bekannt als Gitarrist des Psychobilly-Urgesteins Mad Sin. Doch er hat noch mehr zu bieten. Matt Voodoo sprach mit pitXplorer über das Tourleben, den musikalischen Funken in ihm und sein neues Solo-Projekt.
pitXplorer (Diana): Hallo Matt! Freut mich sehr, mit dir zu sprechen.
Der Zauber des Tourlebens
pitXplorer (Diana): Du bist gerade aus den USA und Australien zurückgekehrt wo du mit Mad Sin aufgetreten bist und auch Solo-Konzerte gespielt hast. Wie war die Tour?
Matt Voodoo: Kurz und knackig. Wir sind in meiner Heimat Los Angeles gestartet und haben in Austin, Texas geendet, eine meiner Lieblingsstädte. Die Fans im Zombie Prom in Scottsdale, Arizona, waren absolut abgedreht! Es war toll zu sehen, dass es die Staaten immer noch drauf haben. Jedoch haben wir einen kompletten Tag verloren in Kalifornien, dank einer gewissen spanischen Fluglinie, was uns die Tour etwas anstrengender gemacht hat als sie normalerweise gewesen wäre. Nichtsdestotrotz war es großartig, seit einem Jahr mal wieder in den Staaten gewesen zu sein und ein paar bekannte Gesichter gesehen zu haben.
Australien war fantastisch! Sydney, Gold Coast, Melbourne und Perth haben alle einen verdammt tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Auch meine Solo-Show in Melbourne war brilliant. Großen Dank hier an dieser Stelle an Dick Dynamite and the Doppelgangers, dass sie dies möglich gemacht haben! Ich habe einige wilde Leute kennengelernt und neue Freundschaften geknüpft… ich hatte sogar die Gelegenheit, einen Koala auf dem Arm zu halten, stell dir vor. Das war richtig cool. Ich plane, so schnell wie möglich noch mal hinzufliegen.
pitXplorer (Diana): Welche wichtigen Dinge sollten immer in deinem Gepäck dabei sein, wenn du auf Tour gehst?
Matt Voodoo: Ich hatte bereits einige Male richtig übelst Pech. Seitdem trage ich immer alles bei mir, was ich für eine Show brauche. Meine Gitarre und elektronisches Equipment sind in meinem Handgepäck, ich reise in Kleidung, die ich auf der Bühne tragen würde und alles, das Wert für mich besitzt, befindet sich in meinen Taschen. Die einzigen Sachen in meinem Gepäck, die mir wirklich wichtig sind, sind ein großer, warmer Army-Mantel und die Fotos meiner Liebsten, die ich immer bei mir habe. Alles andere ist ersetzbar.
pitXplorer (Diana): Wenn man deine Touraktivitäten mit allen Bands anschaut, fällt auf, dass es nicht nur nach Europa, sondern auch in die USA, Australien und an andere Orte geht – das ist eine ganz schön weite Strecke! Fordert dieser Lebensstil seinen Tribut? Oder sagst du, das macht nichts und es ist es wert als Teil der Leidenschaft für die Musik?
Matt Voodoo: Ich habe es ehrlich gesagt niemals als einen “Lebensstil” betrachtet. Für mich bedeutet ein einfach zu tun, was ich liebe. Ich kann nicht genug davon bekommen. Ironischerweise neige ich dazu, in die meisten Schwierigkeiten zu geraten, wenn ich zu viel freie Zeit für mich selber habe. Die einzigen wirklichen Schwierigkeiten sind Zeitpläne und die viele Fliegerei bei meiner Körpergröße. Davon bekomme ich Rückenschmerzen. Aber es ist kein Geheimnis, dass Boogie Woogie ein hartes Geschäft ist. Es ist jede Mühe und Anstrengung wert.
pitXplorer (Diana): Es ist ein sehr aktives Leben, das du führst. Wie schaffst du es, Kontakt mit Freunden und Familie zu halten, während du unterwegs bist, und trotzdem 100% zu geben und voll da zu sein?
Matt Voodoo: Ich bin dankbar, dass meine Familie mich sehr unterstützt und mich versteht. Es ist manchmal hart, besonders in rauen Zeiten. Aber ich denke, dass sie sehen und anerkennen, dass es das ist, für das ich gemacht bin. Ohne ihre Unterstützung wäre ich wäre nicht da, wo ich heute bin. Bezüglich Freunde…die richtigen Freunde sind immer da für dich egal wie weit oder wie lang man unterwegs ist. Am härtesten ist es bei Beziehungen. Es ist niemals einfach, zwei wahre Lieben zu haben.
Neues Solo-Projekt
pitXplorer (Diana): Kürzlich hast du ein Solo-Projekt mit Akustik-Gitarre begonnen. Erzähl mehr darüber, was hat dich dazu inspiriert?
Matt Voodoo: Nun, ich kann froh und dankbar sein, dass mein Kumpel Fussl bei Torpedo Booking mir in den Hintern getreten hat, dies endlich anzugehen. Er hat mir geholfen, zu erkennen, dass es Zeit ist, rauszugehen und der Welt zu zeigen was ich wirklich drauf habe. Ich will den Leuten auch zeigen, dass eine Akustik-Show nicht immer nur nett und eingängig sein muss und übersät mit Country-Balladen. Mein Ziel auf der Bühne ist es, die Leute von den Füßen zu reißen, ihnen musikalisch eins auf den Hintern zu geben, im positiven Sinne. Sei es in einer Band oder einfach nur meine Gitarre und ich.
pitXplorer (Diana): Wie schreibst du neue Songs? Was beeinflusst dich dabei?
Matt Voodoo: Die Musik und Melodien kommen fast immer zuerst und viel schneller als der Songtext. Wenn ich für mich alleine schreibe, dann versuche ich, den Song von sich aus fließen zu lassen. Ein guter Song erfordert viel Arbeit, er sollte aber auch nicht erzwungen werden. Ich nehme mir die Zeit. Zusammen mit einer Band tendiere ich zu mehr Schnelligkeit beim Songschreiben, weil da Leute sind, die Feedback geben und mit denen ich mich über Ideen austauschen kann. Ich lasse die Fähigkeiten und Stile der einzelnen Bandmitglieder in die Lieder miteinfließen, somit sind die Lieder beeinflusst von Leuten. Es ist in sich entspannter, ich kann mich mehr zurücklehnen und bin weniger der Perfektionist. Beim Texten brauche ich immer eine Weile, denn ich muss inspiriert sein. Die richtigen Worte zu wählen ist mir sehr wichtig. Meine Musik ist das einzige bislang, durch das sich die Leute an mich werden erinnern können. Ich nehme in meinem Solo-Projekt die Lyrics sehr ernst denn es ist in gewisser Weise ein texterisches Debut für mich – mit Ausnahme mancher Bamboula-Songs.
pitXplorer (Diana): Welchen Unterschied macht es für dich persönlich, mit einer Band zusammen zu spielen und auf der andern Seite als „Matt Voodoo Solo-Künstler“ unterwegs zu sein und zu performen?
Matt Voodoo: Es ist vergleichbar mit dem Segeln auf dem Ozean, auf einem kleinen Floß und auf sich allein gestellt. Dort wo ich keine Crew um mich habe, die mit mir kämpft, oder nicht die großen Geschütze einer Band, da ist das Risiko geringer, fest eingespannt zu werden. Es ist sehr befreiend und hält mich doch bodenständig. Es gibt keine zweite Gitarre oder keinen verlässlicher Drummer, der überbrückt, wenn ein Lied eine schwache Stelle hat oder ich Mist baue. Keinen, der einspringt, wenn ich beim Schreiben nicht weiterkomme. Ich werde immer in Bands spielen, weil ich das Laute liebe! Das Dröhnen der Drums und Kreischen der E-Gitarren bringen mein Herz dazu, schneller zu schlagen. Dennoch ist da etwas Besonderes wenn ich alleine mit meiner Gitarre oben auf der Bühne stehe. Es ist furchterregend im besten Sinne!
pitXplorer (Diana): Was kommt als nächstes?
Matt Voodoo: Am 12. Dezember beginne ich meine erste Solo-Tour, es geht durch Deutschland und die Schweiz. Halt mal die Augen offen, denn ich werd vermutlich auch bei dir in der Nähe sein. Zusätzlich plane ich so bald wie möglich ein Album zu veröffentlichen. Und daneben eine E-Version dieses Projekt mit kompletter Band. Diese Akustik-Sache macht Spaß, aber grundsätzlich mag ich es einfach laut. Wie schon gesagt, bei Drums und E-Gitarren schlägt mein Herz schneller. Ich möchte beide Welten haben. Ich hab mein Auge auf ein paar Musiker geworfen, die ich kenne und mit denen ich schon seit langem einmal zusammenarbeiten möchte. Ich hoffe, dass ich sie für das Projekt gewinnen kann. Ich hab noch eine neue Band mit Roxy Diamond und Ex-Killing Irie Bassist Tom Bisson, die sich „Roxy’s got a Gun“ nennt. Da spielen wir einen Mix aus Blues, Swing und New Wave. Und es gibt ein paar weitere Pläne, die noch geheim bleiben sollen.
Im Bann der Musik
pitXplorer (Diana): Was einem schnell auffällt, wenn man dir zuschaut oder zuhört: Du zeigst sehr viel Hingabe und Engagement auf der Bühne, mit deinen Blicken, Gesten, mit Mimik und mit deiner Stimme. Legst du dir das zuvor zurecht als Vorbereitung auf deine Show oder ist alles spontan?
Matt Voodoo: Nun, es mag eine Bühnenshow sein, aber es ist kein Schauspielern. Das einzige, was ich übe, ist meine Musik. Wenn ich auf der Bühne bin, dann gehe ich drauflos und lasse raus, was in mir ist. Die Bühne ist mein Zuhause und ich lebe für die Musik. Andere mögen eine Maske anlegen, wenn sie auf die Bühne gehen, aber ich will das Gegenteil, nämlich die Maske runterreißen. Ihr bekommt mich, „Raw & Unleashed” eben.
pitXplorer (Diana): Du bist schwer beschäftigt, wenn man deine Musikkarriere so anschaut! Du hast schon in zahlreichen Bands gespielt bzw. tust es noch… beispielsweise Mad Sin, Bamboula, Killing Irie, Blue Rockin, um nur einige zu nennen. Und du hast viele Ideen und Erfahrung hineingesteckt. Fühlst du dich jemals ausgelaugt und brauchst mal eine Pause?
Matt Voodoo: Ich will mehr! Ich wünschte, ich hätte die Zeit, immer noch in all diesen Bands zu spielen und in noch weiteren. Ich vermisse Bamboula! Ich vermisse Blue Rockin! Ich werde müde, aber niemals von Musik. Musik ist in meinen Adern. Sie treibt mich an. Sie ist mein Heiligtum und Zufluchtsort. Plane ich mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen in der Zukunft als in den letzten Jahren? Ja, die Abstände waren zu lang. Vermisse ich meine Freundin wenn entweder einer von uns oder wir beide unterwegs sind? Ja, extrem. Wünschte ich, ich hätte mehr Zeit für meine Freunde? Natürlich. Doch werde ich jemals aufgeben? Werde ich jemals meine Gitarre niederlegen? Meine Waffen strecken? Verdammt, nein!! Mir schwebt vor, einmal wie der alte Sack zu sein, der in der Kneipe um die Ecke den Blues spielt. Dieser Kerl war mein Held. Ich werde Musik machen bis ich sterbe.
pitXplorer (Diana): Wenn du weit zurückschaust... was hat dich zur Musik gebracht? Wie hat alles angefangen?
Matt Voodoo: Musik war dank meines Vaters immer ein großer Bestandteil meines Lebens. Er liebt Musik und hat mich gelehrt, aufgeschlossen und mit Leidenschaft dabei zu sein. Meine früheste Erinnerung ist der „Kanon in D“ von Pachelbel. Irgendwie habe ich immer irgendein Instrument gespielt, einschließlich Trompete und Flöte. Gitarre habe ich immer geliebt, besonders Hound Dog, Django und Hendrix. Doch mit Punkrock hat es dann richtig angefangen. Als ich ganz jung war, war ich ein bisschen verrückt, antisozial und gegen Autorität, habe Bands wie Dead Kennedys, Misfits und NOFX gehört. Das hat einen Nerv getroffen und ich habe meine Trompete auf den Müll geschmissen.
Letztendlich glaube ich, dass ich dafür gemacht bin, Gitarre zu spielen. Das Gitarrespielen ist zu mir gekommen. Mein Vater hat mir immer gesagt: „Mein Sohn, das größte, was ein Mann werden kann, ist ein „Bluesman“. Und dazu musst du ein verdammt guter Gitarrenspieler sein.“
pitXplorer (Diana): Bis Ende 2011 wirst du noch viele Auftritte absolvieren. Was sind deine musikalischen Pläne für 2012?
Matt Voodoo: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass nächstes Jahr sehr aufregend werden wird und sich viel ändert. Ich war immer schon ein Träumer und hatte viele Ideen. Manche davon sind schon in vollem Gange, ich freue mich darauf, zu sehen wie sie sich entwickeln… und welche weiteren Ideen Wirklichkeit werden. Du weißt nie sicher, was die Zukunft bringt. Ich bin immer gespannt darauf zu sehen, was an der nächsten Ecke auf mich wartet.
Ich muss sagen, was mich wirklich extrem freuen würde, wäre eine Reunion von Bamboula mit dem original Line-up. Noch einmal eine „Blood, Sweat & Confetti“ Tour mit unseren Kumpels von „Season of Nightmares“! Es wäre auch schön, zu helfen, einige großartige US Bands wie „The Goddamn Gallows“ oder „The Strikers“ endlich nach Europa zu bringen. Das ist längst überfällig und es ist an der Zeit, dass Europa auf den Geschmack von einigen der Allerbesten aus Amerika kommt.
pitXplorer (Diana): Gibt es Projekte, die du außerhalb der Musikwelt gerne angehen würdest … sagen wir mal Tauchen oder so? Findest du denn Zeit zum Entspannen und andere Aktivitäten auszuprobieren?
Matt Voodoo: Als ich mich dazu entschlossen habe, die Musik zu meinem Beruf zu machen, habe ich viele Opfer gebracht und vieles ist auf der Strecke geblieben. Ich bin Snowboard gefahren und habe Kampfsport gemacht, habe aber aufgehört, da die Verletzungsgefahr für Hände und Handgelenke sehr hoch ist. Am oder auf dem Wasser zu sein war mein zweites Zuhause. Ich liebe das Meer.
Hin und wieder denke ich daran, diese Dinge wieder aufzugreifen… aber wenn es eine Sache gibt, die ich wirklich gerne wieder aufgreifen will, dann ist es das Gitarrebauen. Ich brauche nur die Werkzeuge und einen Ort. Musik wird immer Nummer 1 für mich sein. Wer weiß,… vielleicht siehst du eines Tages eine Gitarrenmarke „Voodoo“. Seltsame Dinge können passieren.
pitXplorer (Diana): Danke dir sehr für das tolle Interview!
Matt Voodoo: CHEERS!
Matt Voodoo


