Jesus On Extasy
von: Stefan SchulzeJESUS ON EXSTASY sind zurück und kündigen für den 7. Oktober 2011 die Veröffentlichung ihres neuen Albums „The Clock“ an. Ende Juli durften die pitWorker Klaus und Stefan bereits in das Album reinhören und konnten die Band im Rahmen der Pre-Listening Session im Sinustal Studio / Farscape Records in Essen ein paar Fragen zum Album stellen.
Zusammen mit Gitarrist Chai hörte ich mir mit Fotograf Klaus also das Album an. In der Hand ein Portfolie mit Bandinfos und den Lyrics. Es hat sich in den letzten Monaten viel getan bei JESUS ON EXTASY (kurz JOE). Nach dem Ausstieg von Sänger Dorian, Bassist BJ und Keyboarderin Leandra Ophelia Dax stand die Band vor dem aus. Die Luft war raus und die übriggebliebenen Mitglieder Dino und Chai wussten nicht wie es weiter geht. Doch irgendwie steckte noch immer Herzblut in der Sache und anstatt die Band vollständig aufzulösen, entschied sich Chai weiter zu machen.
Das Ausschlaggebende war eigentlich nur noch, dass ich einen Arschtritt brauchte. Das mal einer sagt, wenn du das hinwirfst, dann bist du ´nen Vollidiot“, erklärt Chai. Und diese Worte waren es dann auch, die Chai den Motivationskick gaben um den ersten Schritt zu wagen… nämlich Drummer Dino wieder mit ins Boot zu holen.
„Ich hatte eigentlich schon mit der Band abgeschlossen und schon an andere Dinge gedacht, unter anderem an Solo-Sachen, an dem ich zur Zeit auch noch arbeite“, sagt Drummer Dino und fügt hinzu: „Ich hatte mich damit abgefunden und nur gedacht, hey…JOE war eine schöne Zeit. Aber irgendwie hat es sich dann doch gedreht, als wenn das Schicksal es gewollt hätte. Denn auf einmal war da Chai’s E-Mail und ich wusste genau, wir machen weiter und jetzt geht’s ab und wir geben Vollgas“.
Gesagt getan, in knapp mehr als sechs Monaten hat die Band das neue Album fertig gestellt. 72 Minuten Spielzeit, jede Menge Songs und dazu noch Remixes! Und das alles mit neuen Mitgliedern, den Sängerin Manja und Bassist Christopher komplettieren das aktuelle Line-Up. Das klingt nach einem 24 Stunden Tag.
„Also, das Line-Up ist ja mehr oder weniger während der Produktion entstanden“, meint Gitarrist Chai. „24 Stunden Job? Ja. Ich bin da sämtlichen Leuten hier im Raum auf den Wecker gefallen“, ergänzt er und grinst seine Bandkollegen an. „Aber trotzdem ist es ohne Druck geschehen. Es hat sich im letzten Jahr außerdem schwerpunktmäßig verschoben, wer in der Band was macht“.
Herausgekommen ist etwas neues, etwas an die sich Fans von JOE vielleicht auch erst einmal gewöhnen müssen. Doch schon bei der Pre-Listening Session wird klar, hier steckt eine druckvolle Produktion hinter. Aber auch nicht immer ganz leichte Kost, die die Band hier anbietet und auch nicht immer Club-Song geeignet.
„Wir sind ja keine Tanztruppe“, erklärt Chai. „Also ich meine das Konzept dahinter ist ja ein anderes. Wir haben mit Sicherheit ein paar Songs die zügig durchgehen und für `nen Club brauchbar sind und die mit Sicherheit auch als Clubsingle erscheinen. Aber gerade diese krassen Unterschiede zwischen schnellen und langsamen Parts sind wichtig um die Lyrics zu unterstützen. Man kann sich ja nicht festlegen. Für Clubsongs arbeitet man dann halt mit Remixes.“
Das es aber nicht nur Remixes sein müssen beweist der Opener „Freak Out“, der bereits schon jetzt Club-Potential besitzt. Da stimmt auch auch Chai zu: „Ich glaube der Song könnte tatsächlich so durchzimmern. Der ist ja sehr zügig und das durchgehend. Den stell ich mir schon ganz passend für die Tanzfläche vor. Aber bei `Vendetta` ist es ähnlich. Nichts desto trotz wird des von `Vendetta` noch einen Clubmix geben“
Und an dem Mix wird gerade auch schon gearbeitet: „Da sitzt gerad Krischan von Rotersand dran…. und den treibe ich gerade in den Wahnsinn damit“, sagt Chai und lacht. (Anm. der Redaktion: DJ und Produzent Krischan J. E. Wesenberg ist seit 2003 Mitglied des Elektro / Futurepop Trios Rotersand).
Neben den Songs befinden sich gleich drei Bonus-Tracks auf dem Album. Und einen davon stellte uns die Band auch bei der Pre-Listening Session vor. Man wird oft emotional von den Songs angesprochen, aber aus den kleinen „Tiefpunkten“ wird man in der Regel durch die melodiösen Parts wieder herausgeholt. Diesen „Stimmungswechsel“ gibt es hier aber nicht. Warum macht man plötzlich so einen düsteren aber genialen Song? Schlechten Tag gehabt?
Chai lacht und erklärt: „Ich spiel halt gerne rum und laufe ohne Scheuklappen durch die Gegend. Ich wollte einfach mal den Sound auswechseln und siehe da, plötzlich wird da ein ganz anderes Licht auf den Text geworfen“. Die Band probiert sich also gerne aus, aber bei diesem Song war es dann doch was anderes. „Lustig ist, dass wir einen 30 Sekunden Ausschnitt aus diesem Track am Anfang des Jahres bereits auf unserer Homepage hatten. Da gab es den Song selbst noch nicht, sondern es handelte sich lediglich um ein Intro. Und als das album halt fertig war und wir und für ein limited Edition entschieden hatten, war halt die Frage was wir da noch auf das Album packen. Wir wollten halt keine B-Seiten auf dem Album haben. Bei der jetzigen Version die du gerade gehört hast, war ich einfach in dieser Stimmung. Der besteht nur aus vier Tönen. Klar, es kommt was zu und geht was weg und so sind die sechs Minuten zwar monoton und gleichzeitig abwechslungsreich“.
Und das finde ich auch, gebe aber zu, dass die Pre-Listening Party vielleicht nicht das richtige Umfeld für diesen Track ist. Doch ein Song bei der einen eher nachdenklich macht und für den man vielleicht auch in der Stimmung sein muss. Die Ankündigung, dass ich mir den Song noch mal in Ruhe über Kopfhörer in der Badewanne anhören muss sorgt allerdings für Gelächter bei allen. Besonders bei der Vorstellung mit Quitscheentchen auf dem Kopf in der Wann zu liegen. Das bringt die Band doch gleich auf eine weitere Idee.
„Vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal eine Bathtube-Version“, meint Chai lachend und mir schwirren die ersten Ideen für die Badewannen Foto-Session durch den Kopf. Apropro Bilder… beim Blick durch das Studio kommt man an dem neuen Cover Artwork zu „The Clock“ nicht vorbei. Doch warum steht der Zeiger bei 5 vor 12 und was will die Band uns damit sagen?
„Es sollte eigentlich kurz vor 11 sein, auch wenn es wie kurz vor 12 aussehen sollte“, meint Chai etwas verlegen. „Das hing damit zusammen, dass wir ursprünglich 11 Tracks geplant hatten. Aber am Ende hatten wir dann 14 für die limited Edition“.
Und Bassist Chris fügt lachend hinzu: „und dann war es auch egal und dann haben wir halt 5 vor 12 genommen“
„Klar, das Thema Zeit. man kann es kitschig nennen. Aber es soll halt ein Statement sein“, fügt Chai hinzu.
5 vor 12? Welteruntergangsstimmung?
„Nein, so ist es nicht gemeint. Vielleicht kann man es als Rückblende auf emotionale Dinge sehen“, meint Chai. „Aber man darf es nicht darauf auf das beziehen, was mit der Band passiert ist. Das ist totaler quatsch. Man mag vielleicht so einen Eindruck bekommen und mit Sicherheit wirkt sich die Situation auch auf das Songwriting aus, aber wir schauen jetzt nach vorne und nicht zurück“
Emotionen spielen bei den Songs eine große Rolle, aber schon beim ersten Hördurchgang des Albums wird deutlich, dass elektronische Spielereien und groovige Refrains die Tracks immer wieder auflockern. Es scheint als wolle man den Hörer durch diesen Mix auch auf Gefühlsebene ansprechen und mitnehmen. Ich möchte von der Band wissen ob man das wirklich so interpretieren darf.
„Ja, das ist durch aus denkbar und ist ja Sinn der ganzen Geschichte“, erklärt Chai und ergänzt. „Man versucht ja auch nicht `nen Song stumpf nach Schema B zu schreiben. sondern man will ja schon die Texte mit dem Sound unterstreichen“. Dass das nicht immer ganz unkompliziert von der Hand geht, begründet Chai mit ihrer Art Songs zu schreiben: „Bisher war es halt immer so, man schreibt einen Song, produziert den aus und haut die Lyrics oben drauf. Bei uns ist es auch so, nur das wir oft nach den Aufnahmen des Gesangs den Song wieder durcheinander schmeißen. Wir merken dann oft, dass es noch Stellen gibt, die man noch besser darstellen kann. Und dann arbeitet man halt auch mal wieder rückwärts“. Professionalität ist eines, aber damit der Song auch fertig wird braucht der Gitarrist manchmal jemanden der ihn anstupst: „Es muss auch jemand da sein, der mir auf die Schulter klopft und sagt `hey jetzt hör aber mal auf, sonst machst du den Song noch kaputt“.
Doch neben Schlagzeuger Dino und Gitarrist Chai sind ja zwei neue Mitglieder dabei. Sängerin Manya und Bassist haben maßgeblich am Album mitgewirkt. Aber wie hat sich die Band gefunden.
Chai: „Oh, schwierig, da kann ich mich gar nicht mehr genau dran erinnern. Am Anfang war es so. Wir standen da und sagten wollten mit JOE weitermachen. Und dann kam die Tour mit der Band Beloved Enemy auf der ich Chris kennengelernt habe und der sich auch vorstellen konnte bei JOE zu spielen. Das war der Moment wo bei mir dann wieder so ein Motivationskick kam. Und dann ging es ratzfatz mit dem Songwriting voran. Und die Texte... naja, zum Teil sind Songs auf dem Album, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und die vereinzelt sogar schon zehn Jahre alt sind. Klar, nicht ganz in der jetzigen Version, aber sie passten von vorneherein thematisch einfach auf's Album und Dank Manyas Stimme, konnte man die Songs so formen wie wir es jetzt gemacht haben. Aber die meisten Texte sind neu“.
Und Sängerin Manya ergänzt: „Chai hat mir Songs geschickt. Ich mache viel Sport und habe mir die Songs dann immer dabei angehört. Meistens habe ich dann sofort irgendein Thema vor Augen gehabt. Und dann ist der Text innerhalb von einer halben Stunde fertig. Das ist als wenn irgendwas raus muss. Irgendwie wie ein innerer positiver Druck, der einfach rausgelassen wird.“
Doch nicht immer ist zuerst die Melodie da. „Ach, das ist fifty fifty“, erklärt Chai und erzählt, dass er auch schon einmal einen Text während einer zehnminütigen U-Bahn Fahrt geschrieben hat. „Also ich gebe den Stücken immer einen Arbeitstitel und dann habe ich auch schon so meine Vorstellungen“, so Chai weiter. „Bei Manya passte es einfach und auch wenn sie neu in der Band war, sie wusste irgendwie genau was ich wollte. Und plötzlich haut sie mir einen Text um die Ohren, bei dem ich nur denk, das ist es".
Und Bassist Chris ergänzt: „Das ist ja das schöne an der Musik. Du hast soviel Inspirationsquellen. Du hast einen Text der zur Musik passt oder du hast Musik im Kopf der dich zum Texten inspiriert“.
Und Drummer Dino bringt es auf den Punkt: „Ja das ist ja auch die Magie!“
Und auch für Sängerin Manya ist es wie Magie. „Ich mach schon seit 16 Jahren Musik. und...“
„Wie, du du bist doch erst 22“, meint Chai neckisch und das Gespräch wird erst einmal für ein paar Minuten zum Lachen und Anektdoten erzählen unterbrochen. Aber Manya findet dann auch wieder den Gesprächsanschluss und führt fort: „Ich habe schon bei vielen Bands mitgemacht. Aber ich könnte mich nicht daran erinnern, dass es schon einmal so funktioniert hat. Denn teilweise funktioniert die Zusammenarbeit blind. Ich weiß halt nicht wie es sich entwickelt, das ist halt so wie in einer Beziehung“.
„Wir haben uns gesucht und gefunden“, meint Dino. „Wir leben die ganze Sache!“.
Man merkt der Band im Gespräch an, dass Sie auch jetzt noch froh über die Entscheidung sind, die Band weiterzuführen. Und ein wenig stolz macht es die Band auch noch, heute ihr Album präsentieren zu dürfen.
„Ich meine wir haben einen Riesenschritt gemacht. Wenn man überlegt wo wir noch vor einem halben Jahr standen“, sagt Chai und bringt es auf den Punkt. „Das war ein Desaster. Doch jetzt sind wir hier, präsentieren unser neues Album... und der heutige Tag ist endlich der Schritt in die Öffentlichkeit. Aber das war in den letzten Wochen auch knallhart und man steckt natürlich auch ganz viel Energie rein und fiebert mit. Gerade heute, nach dem Motto `Oh Gott, hoffentlich klappt das auch alles“.
Und Drummer Dino stimmt Chai zu: „Ich habe jetzt das was ich immer wollte, Menschen auf die ich mich in einer Band verlassen kann. Ich meine mit Chai war es auch schon vorher so... aber jetzt wo Manya und Chris noch dabei sind, ist es einfach perfekt.“
Mit den neuen Mitgliedern an Bord und der Energie und die Lust wieder an der Band zu arbeiten, wollte die Band Vollgas geben. Als Außenstehender könnte man meinen die Band wollte keine Zeit verlieren und es jetzt allen beweisen.
„Klar... na sicher! Wir wollten keine zweit verschwenden, aber auch nicht auf Teufel komm raus irgendwas machen“, erklärt Chai. „Wenn das Album erst in einem Jahr fertig gewesen wäre, na dann wäre es erst in einem Jahr erschienen. Aber wir haben auch ein primäres Ziel… wir wollen wieder auf die Bühne. Und wenn die Platte im Oktober erscheint, dann geht’s auch wieder ab“.
Aber gab es nicht auch manchmal Zweifel am Team? Oder vielleicht Zweifel daran, das ganze für alle zufriedenstellend hinzubekommen? Gerade auch wenn auch die Live-Auftritte zugeht?
„Am Anfang hatte ich auch schiss“, gibt Chai zu „Mit `nem neuen Line-Up... Dino und ich als alte Mitglieder... das wird ne harte Nummer. Mittlerweile denk ich nur `what the fuck`, wir sind jetzt eine Gemeinschaft und kommen als Package daher. Und man merkt auch bei den Proben, wie viel spaß das macht...“.
Und Dino ist ebenfalls überzeugt von der Sache: „Es ist so als hättest du nie was anderes mit anderen Leuten gemacht“. Und Chai wirft lachend ein. „Wir verspielen uns halt noch andauernd“.
Man darf also gespannt sein, wie sich das neue Line-Up in Zukunft auch Live schlagen wird. Doch war da nicht noch was… klar, ein auffälliger Track bei dem plötzlich eine männliche Stimme zu hören war.
„Es handelt sich um ein Kooperation mit Ski-King (Beloved Enemy, The Mighty Ski-King), der als Duett –Partner eingestiegen ist. Denn der Text ist schließlich für zwei Personen ausgelegt“, erklärt Chai. Dazu muss man wissen, dass Chai als Nebenprojekt noch in der Band Beloved Enemy spielt. Nach diesen ganzen Informationen kann man nur gespannt sein, wie das Album bei den Fans ankommt. „Einige werden mit Sicherheit überrascht sein“, meint Chai und er wird damit Recht behalten. Nach dem wir den Nachmittag mit der Band bei Snacks und Getränken ausklingen ließen, wollen wir euch die letzten Worte der Band natürlich nicht vorenthalten:
Chai: "Wir geben weiter Gas und wir sind froh darüber, was wir bisher schon geschafft haben. Es ist ein großer Schritt für JOE!"
Manya: "Wir freuen uns bald auch live zu spielen".
Dino: "Klar, der Dank an die Fans und die, die weiterhin am Ball sind".
pitXplorer sagt Danke an die Band für die Einladung zur Pre-Listening und das Gespräche. Das neue Album „The Clock“ ist ab dem 7. Oktober 2011 im Handel erhältlich. Die aktuellen Live Daten findet ihr in unserem Eventkalender!
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