Jancee Pornick Casino, The - Pravda
von: Stefan Schulze
Angekündigt wird das neue Jancee Pornick Casino als The Greatest Rock'n'Roll Record der letzten 10 Jahre. Verpackt als Aufmacher einer russischen "Bild"-Zeitung namens Pra"w"da outet sich Frontman Jancee Warnick als Pervo Rocker, der in eine Fish-Affair verwickelt sei. Nachlesen kann man die Titelstory vollständig auf Seite Vier des Booklets, dass vollständig Boulevard Zeitung ähnelt. Zwischenzeitlich entdeckt man - bei genauerem Hinsehen - auch auch vollständige Textzeilen. Diese scheinen von einem der 13 Songs zu stammen.
"Where Is My Money Punk" ist ein guter Einstieg um den selbsternannten Titel zum besten Rock'n'Roll Album der letzten zehn Jahre zu ergattern. Aber ein noch besser Sprung dorthin ist der englisch-französisch gemixte Song "Pute Au Crack". Warum die Worte Cracksüchtige Nutte allerdings allerdings auf teilfranzösisch - sowie die restlichen Lyrics - gewählt wurden ist mir nicht ganz klar. Vermag man so vielleicht der Zensur auf den ersten Blick zu entgehen? Nichtsdestrotroz, es handelt sich bereits um einen meiner persönlichen Top Songs. Trashy Sound, helle Stimme und ein lustige Texte ohne auf den ersten Blick erschließbare Lyrics machen Spaß auf mehr.
Mit "Land Of 100 Babushkas" wird ein Song erstmal sehr ruhig eröffnet. Im Hintergrund sind leichte Wellen (vom Rheinufer in Köln) zu hören und es scheint relaxt, bevor nach einer halben Minute der Jancee Pornick Casino typische Surf-Sound beginnt. In irgendeinem Zusammenhang habe ich schon einmal erwähnt, dass diese Band einer der wenigen Ausnahmen ist, deren Surf-Musik mir wirklich (fast) immer gefällt. Und auch hier hat die Band wieder einen tollen instrumentalen Song auf die Beine gestellt, der zum Schluss einfach nur rockt! Besonders gut gefällt mir beim folgenden Song "She's The Girl" der Grad zwischen Rock'n'Roll und Surf. Und vielleicht ist das auch das Geheimnis, um nicht den gefährlichen Weg zum trashigen Surf zu gelangen, der nur noch gekrächzte Gitarrenklänge enthält.
Und wie das so ist, hat sich jede Band mal darauf geeinigt einen eigenen Stil in Umlauf zu bringen. Bei Jancee ist das Las Vegas Punk oder Russen-Surf. Wie man es auch nennt. Es ist gut. Etwas driftet die Band aber dann doch zum 60er Beach Boys Geplapper ab. "Hello There Babushka" heisst der Titel, der meiner Meinung nach nicht auf dem Album sein müsste. Und doch spricht gegen den Druck auf die Skip-Taste des CD-Players der lustige Inhalt. Was ich an Plattenbesprechungen echt hasse... wenn man fast jeden Song erwähnen muss, weil er einfach ansprechbar ist. Aber das man sich die Finger wund tippt, kann Jancee und Konsorten aber auch verlangen. Denn hier ist jeder Song anders stilbehaftet. So bringt "Battle Of Yager" nun auch schon wieder eine andere Stilrichtung mit sich.... nämlich klassische Rockabilly Einflüsse. Ein weiteres Highligt ist der schnell gesungene Song "Workin I A Commie Camp", bei dem die Band nun auch Unterstützung durch Bläser bekommt. Es ist unvorstellbar, aber auch vor country- oder punkigen Einlagen sieht die Band kein Stoppschild und besingt mit "Ole Sparky" (vermutlich) den Hund eines der Musiker, der sogar mit Bild im Booklet abgedruckt.
Absolut geil ist auch der deutschsprachige Song "Schwarze Seele"! Vielleicht macht es auch der Zusammenhang mit den anderen vielfältigen Songs, aber hiermit wird das Album komplettiert und findet damit auch sein abschließende Bewertung. Ich habe nichts mehr zusagen und zähle nur noch Punkte.... ach das noch... vielleicht doch das The Greatest Rock'n'Roll Album der letzten 10 Jahre???? Mal nachdenken.. oder noch besser... REINHÖREN!
News 2011: Jancee Pornick Casino: Live mit neuem Album im Gepäck
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