Abwärts - Rom
von: Stefan SchulzeSeit 1979 geistern Abwärts bereich durch die Landen und mit "Computerstaat" erreichte ihre erste EP den ersten Platz der deutschen Independent Charts. Während ich mich also noch in der Vorstufe zum Kindergarten befand erschien ihr erstes Album "Amokkoma", das von vorne bis hinten selbst produziert und vermarktet wurde. Hochzeiten im Vorprogramm von The Cure und die Erfindung des Begriffs "Neue Deutsche Welle" waren die letzten Geschehnisse die Abwärts noch noch komplett erlebten. Die Band fand ihr Ende aus nachdem die Bandmitglieder FM Einheit und und Marc Chung zu den Einstürzenden Neubauten wechselten. 1988 ging die Bandgeschichte weiter und bis heute hat sich an der Bandbesetzung einiges getan.
Nach der letzten Albumveröffentlichung 1994 entstand 2004 erstmals die Idee ein weitere Abwärts Album zu produzieren und live wieder aufzutreten. Meine Skepsis gegenüber dieser Art von Musik war in den 90zigern noch weit aus größer als heute. Auch wenn die früheren Klassiker von Frank Ziegert mehr Kult waren, als das sie wirklich meinen Geschmack getroffen haben, ist die Band in Tagen heutiger deutschsprachiger Popmusik und abgefuckter Bollo Rapper eine wirkliche Alternative. Als Intro hat die Band Stimmen zum Nationalstolz Deutschlands im Zuge der WM gewählt. Was ich als positive Euphorie werte müsste in den Augen des von Frank Z. eigentlich abgewertet werden, doch eine wirklich klare Äußerung textlicher Art gibt es nicht. Ausser man nimmt sich direkt den Songtext des zweiten Tracks zur Hand in dem es lautet "Ich schau mich um und seh nur Idioten....".
Doch konzentrieren wir uns wieder auf das musikalische Werk der Band. Und mit "Rom" erscheint dann Stück, dass genau das ist, was ich mir von Abwärts wünsche. Der Song bewegt sich mit straffen Beats von Wave in Richtung Punk und lässt harte klänge dabei nicht aussen vor. Zusammen mit der Stimme des Frontman macht der Song ziemlich was her. Auch wenn diese Mischung genau das her macht, was für mich unter dem unbeliebten Begriff "Neue Deutsche Welle" zu verstehen ist. Auch wenn man wie bei "Caprifish'n" härtere Töne zugespielt bekommt, muss man sich immer im klaren darüber sein, dass Z's Stimmgewalt sich nicht gerade den Songs anpasst. Gut, in diesem Fall macht nichts, da ich den Song zwar vom musikalischen Ansatz gut finde, die Lyrics allerdings alles wieder zunichte machen. Ob bei Capri die goldene Sonne diesmal nun im Müll versingt interessiert doch echt nen totes Pferd....
Leider lässt das Album textlich sowieso sehr wünschen übrig. Denn Herren scheinen die Ideen echt ausgegangen sein. Und es handelt sich leider nicht um so typische nutzlose Texte die aber einen gewissen Unterhaltungswert besitzen. Gut gefällt mir allerdings der der Song "Spürst du nicht den Trieb", in dem die Band leicht nach Rammstein klingt. Absolut hohler Song und doch total genial ist Track 10 "Lucky Fucky". Musikalisch simpel aber dafür stimmlich betont. "Hey Hey Lucky Fucky hier kommt der Rasenmähermann. Hey Hey Lucky Fuck, eure Armut kotzt ihn an....Hip Hip wir tanzen alle den Rasenmäherstaat". Ich könnte mir vorstellen, dass unsere Beurteilung des Albums nicht die des Abwärts Kenner wieder gibt, aber für jemanden wie mich, der in der NDW Welle nicht zu Hause ist, entpuppt das Album - textlich und inhaltlich einmal abgesehen - als ein hörbares Werk, dessen Hintergründe mir nicht immer ersichtlich sind, aber die Songs dadurch auch ganz spannend gestalten...
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