Contracrash - Goddamn Planet
von: Stefan Schulze
Contracrash aus Balingen. Yep, ein musikalisches Quartett aus dem Süden Baden-Württembergs. Im Promo-Schreiben wird die Band als Phänomen bezeichnet. Deshalb, weil sie sich mit dem unbedingten Willen zum Erfolg und eine randvollen, selbst gebuchten Tourkalender, eine solide Fanbase erspielt haben. Stellt sich die Frage, ob du oder ich nach Hören des Album „Goddamn Planet“ auch dazu gehören werden. Vorab, ich bin und war hin und her gerissen.
Nach einem 50-sekündigen Intro steigt die Band direkt mit dem Titeltrack ein. Und der beginnt musikalisch toll. Eingängige Beats und gesanglich kann mich die Band überzeugen. Doch stimmlich scheint man noch ziemlich zurückhaltend zu sein. Ob sich das ändert? Und gehören zwischenzeitlichen Shouts zu Sänger Walter Schneider? Erstes Highlight auf dem Album ist „Where The Wind Blows“. Nur es enttäuscht, dass die Power und die Stimmkraft während der Strophen, wie so häufig bei Nu-Metal belasteten Songs, einfach so einbricht. Der Song ist geil, doch mir kommt das Brechen, wenn Refrain an der Reihe ist. Warum so deutliche Worte? Weil man es doch hören muss, wenn der Song so negativ beschnitten wird. Für mich ein eindeutiger Rückfall in einen Einheitsbrei-Refrain. Wird leider immer häufiger und hoffentlich nicht zum Massenphänomen.
Etwas besser gelingt die Abgrenzung beim darauf folgendem „Never Found“, denn die Shouts am Ende des langsamen Refrains, verhindern einen krassen Cut, so dass der Song, der Gesang und die Hervorhebung der Instrumente super zusammen passen. So gelingt der Band bei 5 ½ Minuten ein toller auf sich abgestimmter Song. Leider erscheint gerade wo meine Neugier angefangen hat, eine Ballade, dich ich gleichgültig links liegen lasse und straight auf den kommenden Song „Cause Of You“ zusteuere. Instrumental gut, gesanglich auch…. textlich allerdings eher langweilig. Als nach zweieinhalb Minuten der Titel des Songs mal richtig (geschrien) zur Geltung kommt und die anschließende instrumentalische Power Lust auf mehr macht, tritt mein persönliches Brechreiz-Phänomen aus Titel Nr. 3 wieder ein.
Umso mehr man die Songs hört, umso mehr kann man über einige meiner bereits genannten Kritikpunkte hinwegsehen. Fakt ist aber, dass die Band mutiger werden darf. Zumindest in Bezug auf die stimmliche Power, sollte die Band sich vornehmen, den ein oder anderen Song auf den harten und guten Level durchgehend zu halten und diesen nicht immer mit einer softeren Spielweise zu unterbrechen. Oder reicht die Spielpower etwa nicht dafür! Vergesst meine Frotzelei und lasst uns über die tollen Seiten von Contracrash sprechen. Die Band schafft es neben ihren härteren Songs auch Balladen zu schreiben („Trust“), die mich ansprechen. Auch wenn es eher ein Song ist, den man sich im Auto im wünscht, wenn die Frau nebenan wieder rumkrakehlt „Mach doch mal Geschrei leiser“. Die Antwort auf die Szene gibt die Band direkt danach selbst: Und zwar mit dem Titel „Why Don’t You Die“. Bitte! Im Zusammenhang mit dem nächsten Songs „The Way I Am“ und „Blinded Love“ kann man anhand der Titelreihenfolge eine grauenhaft schöne Story erfinden. Doch dazu reicht die Zeit nicht aus. Denn das Album ist keineswegs so langweilig, dass man sich nicht auf die Song der Band konzentrieren müsste und auch will.
„Goddamn Planet“ ist schon ein richtig gutes Album geworden. Doch die Band ist knapp an meiner persönlichen Toleranzgrenze, die einzelnen Songs mit immer wiederkehrenden „Einbrüchen“ zu verhunzen, vorbeigerasselt. Auch wenn es sich dabei nur um sekundenlange Ausschnitte handelt, so können die doch schon ausreichen, einen gesamten Song schlecht zu bewerten. Bei mir hat alleine das dafür gesorgt, dass ich zwei Punkte alleine aus diesem Grunde abziehe. Aber ehrlich gesagt, anderes gibt es eigentlich nicht kritisieren. Hier macht es einzig und allein die Häufigkeit gleicher Kritikpunkte Dennoch, das Album hat bei mir sieben Punkte verdient.
<< Zurück





