Blessthefall - Witness
von: Nicola Nekic
„Witness“ ist das zweite Studioalbum des Fünfers aus Phoenix, Arizona. Vermarktungstechnisch sind Blessthefall (oder auch Bless The Fall) wahrscheinlich der Traum jeden Labels: Alle Mitglieder sind absolute Posterboys, schick angezogen und gut frisiert. Zudem schießen sie musikalisch in eine Sparte, die sich einfach sehr gut vermarkten lässt. Ein Blick auf die Endorsementdeals auf der MySpaceseite der Band zeigt auch, dass Blessthefall nicht nur fleißig musizieren, sondern auch für alle anderen Lebensbereiche bestens ausgestattet sind. Kurze zynische Anmerkung am Rande: Bin ich der einzige, den die aktuellen Promofotos der Band schmunzeln lassen?! Sehr niedlich, die Jungs.
Jetzt aber zum wesentlichen, der Musik. Ich weiß nicht recht, wie ich „Witness“ bewerten soll. Blessthefall spielen gefälligen, irgendwo zwischen Pop, Metal, Hardcore und Emo pendelnden Postcore. Es gibt sowohl cleanen Gesang als auch ordentliches Gebrülle, Gangvocals sind genauso vertreten wie Singalongs und Breakdowns. Hier und da gibt’s mal crazy Effekte auf dem Gesang oder den momentan schwer angesagten supertieffrequenten Bass-Bumms. Auch eine psychopathische Anrufbeantworternachricht ist am Start. Zudem haben auch Blessthefall „superlustige“ und ewiglange Songtitel im Angebot (mein Favorit: „God Wears Gucci“). Kurz: Blessthefall versuchen es einfach allen Recht zu machen und so richtig viel falsch machen sie dabei ehrlich gesagt nicht!
Das Problem ist, dass man all das genauso schon mal gehört hat. Der Genrekönige Underoath sowie die häufig mitzitierten Norma Jean sind hier wohl die Paradebeispiele. Blessthefall agieren dabei jedoch wesentlich poppiger und eingängiger. Soll man der Band jetzt vorhalten, dass sie die x-te Kopie eines gutverkäuflichen Schemas sind? Das muss der Hörer für sich entscheiden.
Live wissen die jungen Herren übrigens sehr zu überzeugen und haben hier einigen Genreverwandten einiges voraus! Bei Möglichkeit auschecken!
„Witness“ macht durchaus Spaß, eine nette CD halt. Nicht mehr und nicht weniger.
Wer jetzt nicht die große musikalische sowie kreative Offenbarung erwartet, wird nicht enttäuscht werden und findet möglicherweise sogar einen neuen Lieblingssong.
Vielleicht ist es ja für die junge Schwester ein guter Einstieg in neue musikalische Gefilde.
Und wenn sich besagte Schwester auch noch ein Poster an die Tür hängt, gibt’s wenigstens immer was Erheiterndes beim Vorbeigehen;)
In diesem Sinne,
runde Sache, solide Leistung.
News 2009: Blessthefall Video online
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