Dollface - Silent Rebellion
von: Stefan Schulze
Dollface, eine fünfköpfige Indierock/Post-Grunge Band aus Schweden, die zwar in Skandinavien mit ihrem 2008er Debütalbum "Mars Attacks" bekannt wurde, sonst aber eher unbeachtet blieb. Das will die Band mit ihrem neuen Album "Silent Rebellion" jetzt ändern und startet einen neuen Angriff auf das restliche Europa.
Achtung, der erste Track "The Quiet Song" könnte einen falschen Eindruck vermitteln. Denn das Krächzen der Gitarren ist kein Ergebnis einer schlechten Tonqualität, sondern ein schon bewußt eingesetztes und damit beabsichtigtes Stilmittel der Musiker. Erfahrungsgemäß bleibt der Einsatz bei vielen Kritikern nicht gewürdigt. Bei mir in der Regel auch nicht. Doch so ruhig wie der Titel es vermuten lässt, geht es gar nicht zu. Der abgenutzt klingende Sound, die eingehende Melodie und die absolut passende Stimme von Frontman Mattias Bjerstedt lässt mich überraschend aufhorchen. Hört sich interessanter an, als das langweilige Blaue Cover Artwork vermuten lässt.
Und auch wenn der zweite Track "I'm Not Feeling Anything" nicht mit dem Opener mithalten kann, so folgt mit "Me And The Bomb" wieder so eine eingängige Rockalternative. Instrumentalische Aussreisser.... Fehlanzeige! Erwähnenswerte Gitarren- oder Drumsolos, der Einsatz ungewöhnlicher Instrumente.... alles nicht der Fall. Aber das es auch ohnen diesen Einsatz geht, beweisen Dollface... zumindest ab und zu!
Es folgt mit "Inquest" ein weiterer Song aus der Kategorie "den hätte dieses Album nicht unbedingt braucht". Ob sich dieser konstante Wechsel zwischen "mal gut" und "mal so lala" bei den ganzen 14 Tracks einpendelt? Nein... den ersten Ausbruch macht der fünfte Track "Last Minute Exhortations". Ich kann mir nicht helfen, aber wenn musikalisch schon keine Highlights vorhanden sind, dann kann das nur durch die Melodie und die Stimme ausgeglichen werden. Aber genau in diesem Punkt, sind mir einige Songs zu schwach. Und so sinkt der Wert meiner Punkteskala stetig. Im konkreten Song kommt einfach dazu, dass Sänger Mattias sich so anhört als würde er jeden Moment losheulen. Zum Teil klingt es sich gut an, aber vielleicht liegt es daran, dass sich die Stimmlage über den ganzen Song einfach nicht verändert und damit schnell nervig wird.
Ja, es gibt die guten Songs auf dem Album. Und so tauchen innerhalb den noch anstehenden sieben Song so melodisch eingängige Tracks wie "Requisite Verboten" und "Clean and Bleeding" auf. Gerade letzter ist als Indierock Ballade vielleicht nochmal besonders hervorzuheben, weil dieser sich durch seine ruhigere Art weitgehend von den Vorgängern unterscheidet. Doch leider gibt es auch viele Songs, die einfach an einem vorbeigehen. Ob das reicht, um den Rest Europas von den Qualitäten der Band zu überzeugen? Ich habe da so meine Zweifel. Von den so angepriesenen energischen Live-Shows der Band konnte ich mich bisher nicht selbst zu überzeugen, aber auch die dürften nur so energisch sein, wie die Songs selbst. Und da wären wir ja dann auch wieder bei dem Problem.
Aufgepasst. Exporte aus Skandinavien sind also nicht sofort mit Erfolgs-Rotzrock-Bands wie Gluecifer u.ä. gleichzusetzen. Auch wenn Dollface ganz einige ganz ansprechende Indierock Songs erschaffen haben, mehr als die "goldene Mitte", ist bei der Bewertung absolut nicht rauszuholen.
News 2009: Neues Dollface Album im Januar
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