Archiv nach Interpret

Turbostaat - Das Island Manöver

von: Nikola Nekic
Wertung:
10 von 10 Punkten
Label:
Warner Music Group
V.Ö. Datum:
09.04.2010
12 Tracks
Artistinfos: Turbostaat
Turbostaat Homepage TurbostaatProfil bei MySpace Turbostaat on LastFM


„Das Island Manöver“ ist das nunmehr vierte Album des Fünfers aus Flensburg.
Auf „Flamingo“ und „Schwan“ folgte das erste Major-Release „Vormann Leiss“, was durchaus überraschte: Turbostaat erschienen deutlich gereifter. Die unbändige Energie und die Wut der ersten Platten waren immer noch vorhanden, wenn auch etwas anders verpackt. Erste Unkenrufe nach „Sell Out!“ und Massenkompatibilität wurden laut. Genauso schnell wurde jedoch auch deutlich, dass diese völlig unbegründet waren: Trotz höherer Eingängigkeit blieben Turbostaat zu eigenständig (und vielleicht auch glücklicherweise eigensinnig) auf ihrem Kurs. Und wenn man seine Lieblingsband wirklich lieber in einem kleinen Keller als auf einem Riesen-festival sehen wollte, hatte man nach wie vor die Möglichkeit dazu.

„Das Island Manöver“ also.
Moses Schneider hat’s produziert, für einen amtlichen Klang ist somit gesorgt.
Turbostaat sind als Songwriter und Musiker merklich gereift, hier spielen sich die Gitarren auf bisher so nicht gehörte Art die Bälle zu. Zudem hat das Album meines Erachtens nach einen der besten Basssounds, den ich seit langer Zeit gehört habe.

Das besondere an Turbostaat-Alben ist, dass sie je nach persönlicher Stimmung völlig anders wahrgenommen werden: Wenn man gutgelaunt ist und die Sonne scheint, hat man den absolut passenden Soundtrack dazu im Ohr. Hat man einen mächtigen Scheisstag, klingen die gleichen Lieder auf einmal traurig und depressiv. Und grade dieses Phänomen erscheint mir bei „Das Island Manöver“ besonders deutlich und ausgeprägt zu sein. Vielleicht ist es die oben geschilderte Gewissheit, einfach sein Ding durchziehen zu können, aber Turbostaat schreiben auf dieser Platte einige ihrer besten Lieder überhaupt. Und man hat das Gefühl, dass sie sich diese einfach ohne viel Nachzudenken von der Seele geschrieben haben.

Die beklemmende Atmosphäre von „Surt und Tyrann“, der geniale Refrain inklusive Männergesangsverein von „Pennen bei Gluffke“ oder das abschließende „Oz Antep“, jeder Song setzt sich sofort in den Hirnwindungen fest . Erst ist es einem gar nicht so bewusst, aber plötzlich erwischt man sich dabei, wie man die Melodien der Lieder leise vor sich hinsummt. Turbostaat sind teilweise doch recht deutlich im Pop angekommen, das steht ihnen aber ausgesprochen gut. Nie haben sie die Eingängigkeit dermaßen ungeniert und kompromisslos ausgelebt wie bei „Fünfwürstchengriff“. Denn zwei Songs später wird im treibenden „Bossbax“ als ausgleichende Gerechtigkeit der Dampfhammer ausgepackt.

Ob das jetzt noch Deutschpunk, schon Postcore, vielleicht sogar Deutschrock oder weissderteufelwas ist, ist egal.

Turbostaat brauchen keine Beatsteaks-Connection.
Turbostaat brauchen keine Erörterungen zu ihren Texten.
Turbostaat brauchen keine Rücksicht zu nehmen.

Und genau deswegen braucht ihr Turbostaat.

Mehr über Turbostaat:
News 2010: Turbostaat Album Stream online
Tourdaten T: Turbostaat
News 2010: Beteiligt euch an Turbostaat Video




<< Zurück