Ceremony- Rohnert Park
von: Henning Moser
Wie gerne erinnere ich mich an den Tag zurück, an dem ich zum ersten Mal Ceremony als Support von Bane in der Bochumer Matrix sah.Bis dahin war der Bandname in Deutschland größtenteils noch ein Fremdwort und so standen, als das Set begann, die meisten Leute vor der Bühne und waren auf irgendeine Weise gebannt von dieser Band, die alleine vom Erscheinungsbild ungewöhnlicher nicht sein konnte, ganz anders als viele moderne Hardcorebands, deren Mitglieder vor Allem äußerlich häufig recht homogen erscheinen, waren diese Jungs einfach außergewöhnlich heterogen und irgendwie besonders.
Dann machten die Kalifornier auch direkt klar, worum es ihnen ging und immer noch geht: Schnellen, angepissten Hardcore in die Welt zu bringen, und das machen die Jungs bis zum heutigen Tage einfach immernoch verdammt gut. Um eines vorweg zu nehmen, Ceremony scheint eine ausgesprochen wandelbare Band zu sein, was sie mit der neuen Platte „Rohnert Park“ mehr als je zuvor beweisen.
Das Intro des ersten Songs „Into The Wayside Part 1- Sick“ weckt Spannung und man weiß in den ersten Momenten nicht ganz genau, was einen erwartet, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass der Track mit knapp über 4 Minuten ungewöhnlich lang für diese Band ist. Doch schon nach kürzester Zeit schlägt das Organ von Ross Farrar gnadenlos zu und er scheint direkt zu Beginn klarzumachen zu wollen, dass er sich mit Hilfe der folgenden 12 Songs wie gewohnt den Frust von der Seele kotzen will.
Beinahe während der ganzen Platte fühlt man sich aufgrund der großartigen Punk N Roll und Trasheinflüsse in die Anfangstage des Hardcore zurückgebeamt und dieses Gefühl können auf solch authentische Weise heutzutage nur noch die wenigsten Bands dieses Musiksektors verursachen. Die für Ceremony charakteristischen Vocals machen in beinahe jedem Song klar, dass hier, wie auch sonst schon immer, eine Menge Wut im Spiel ist. Das Album zeigt die durchweg positive Weiterentwicklung dieser Band, die meisten Lieder sind gegenüber den ersten Veröffentlichungen wesentlich melodiöser und abwechslungsreicher geworden. Sogar der Song „The Doldrums- Friendly City“, der sich im langsamerem Tempobereich bewegt, fügt sich nahezu perfekt ins Ganze ein und sorgt wiederholt für Abwechslung.
Man darf gespannt sein, welche Regungen diese neuen Stücke in Verbindung mit den alten Hassgranaten live so verursachen werden und die Möglichkeit, dies zu erleben, sollte man sich nicht nehmen lassen, denn Ceremony touren im Oktober ja auch wieder durch hiesige Gefilde. Fast alle Tracks des Albums bewegen sich im Midtempo-Bereich, was zu dieser Band jedoch erstaunlich gut passt, diese Platte strotzt nur so vor punkigen, rock n rolligen, rotzigen und trashigen Melodien und Ceremony beweisen auf eindrucksvolle Weise, dass sie ihre Wut eben längst nicht nur mit superschnellen Songs rüberbringen können. Besonders alle 3 Teile von „Into The Wayside“ zeigen die Vielschichtigkeit dieser Band, sogar akustische Anklänge und cleaner Gesang werden integriert und passen einfach super ins Albumganze.
Die Band war live schon immer ein Synonym für totales Chaos und jeder der sie mal erlebt hat, dürfte da wohl zustimmen. Außerdem könnten die Jungs mit den neuen Songs ihre Befürworterschar aufgrund des Abwechslungsreichtums der Lieder noch vergrößern. Zum Ende des Albums knüpfen die Jungs dann noch an ihre Wurzeln an und liefern mit „The Pathos“ den absoluten Trashknaller des Albums, der an die Schnelligkeit der alten Songs anknüpft. Das Album endet mit dem 3. Teil von „Into The Wayside“ und einem integrierten Hidden Track, der mit einer merkwürdigen, aber passenden Geräuschkulisse beginnt und mit einer kurzen, vorerst letzten Hassattacke endet.
Fazit: Dieses Album wird bei den Fans des Hardcore der Anfangstage keine Wünsche offen lassen aber auch für diejenigen Musikfreunde, die Ceremony bisher noch gar nicht kannten oder denen die alten, reinen Trashsongs zu krachig waren, ist diese Platte absolut empfehlenswert!
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