Emmure - Speaker Of The Dead
von: Nikola Nekic
Emmure veröffentlichen in diesem Jahr ihr viertes Album. Nach „Fellony“, welches 2009 durchaus durchwachsene Reaktionen hervorgerufen hat, will man mit „Speaker Of The Dead“ auf Victory Records wieder richtig Gas geben. Emmure betiteln sich selbst als Deathcore-Band, haben sich jedoch durchaus ihre eigene Nische gesucht. Sie kombinieren die typischen Deathcore-Zutaten mit dem guten alten NüMetal (wie bescheuert ist eigentlich diese Bezeichnung?!). Neben den tiefen Gitarren und Doublebassgewitter hört man also durchaus auch mal eine kleine Rap-Einlage des Sängers Frankie Palmeri. Am deutlichsten wird diese Mixtur am Bass-Sound der Band: Der typische leicht scheppernde Slapping-Sound hat mich damals schon bei Korn begeistert.
Schon der Opener „Children Of Cybertron“ macht klar, wohin die Reise geht: Ultra tief gestimmte Gitarre treffen bretthart auf ein absolut trockenes, metallisches Schlagzeug. Obendrüber tanzt der Bass und die giftige Stimme des Shouters gibt einem den Rest. Hier wird nicht langsam angefangen, es gibt direkt auf die 12! Und das zieht sich durch das ganze Album. Die Songs werden zwischendrin immer wieder von (manchmal zugegebenermaßen etwas lächerlichen) Samples aufgelockert. Da quietscht es mal, da kommt mal der Technobeat vorbei…in der Single „Solar Flare Homicide“ hört man sogar etwas, was entfernt an einen Schraubstock erinnert. Song um Song kriegt man dermaßen einen mit dem Vorschlaghammer einen vor die Stirn gescheppert, dass es eine wahre Freude ist! „Speaker Of The Dead“ ist ein perfektes Album, wenn man schlecht drauf ist oder im Fitness-Studio richtig Gas geben will, es stachelt an, es peitscht nach vorne!
Wer stets auf der Jagd nach dem nächsten Breakdown ist, sollte sich Emmure unbedingt anhören. Eigentlich ist das ganze Album ein einziger, langer Moshpart. Das ist auch das, was mir hier leider etwas säuerlich aufstößt: Das Wort „Breakdown“ meint ja, dass etwas, das man vorher aufgebaut hat durch rohe Gewalt zum Zusammenbruch gebracht wird. Emmure jedoch hauen einfach von Anfang an alles kaputt, das wird auf Dauer doch recht ermüdend, vorhersehbar und damit auch langweilig. Zudem stößt hier der moderne Metalsound doch merklich an seine Grenzen. An ein getriggertes Schlagzeug hat man sich als Metalcorefan wohl mitlerweile gewöhnt. Doch dass die Gitarren so sehr auf den Takt geschnitten und mit diversen Noisegates behandelt werden, dass sie teilweise deutlich hörbar quietschen, ploppen und einfach künstlich klingen, ist meiner Meinung nach zu viel des Guten!
Eine Sache muss einem bewusst sein, wenn man sich mit Emmure beschäftigt: Wer hier ein sauber abgeschmecktes, spannend gewürztes 4-Gänge-Menü erwartet wird enttäuscht. Hier wird nicht dem Gaumen geschmeichelt, hier gibt’s eine dicke Portion. Scharf gewürzt und viel…lieber den dicken, fetten Hamburger anstatt des feinen Rinderfilets. Hiergegen ist soweit eigentlich auch nix einzuwenden, ab und zu mal Hausmannskost ist was feines! Wenn man aber jeden Tag das gleiche bekommt, hängt es einem irgendwann einfach zum Halse raus. Ob man der Band ihren kompromisslosen Stil wirklich vorwerfen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden, sie ziehen ihren Sound konsequent durch. Für mich ist „Speaker Of The Dead“ eine gute Platte, nicht für jeden Tag, aber doch für die, an denen einem einfach alles gegen den Strich geht
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