Vogelfrei - Der Dämmerung Entgegen
von: Kai Paetsch
Streetrock hat ja gerade Hochkonjunktur. Da verwundert es nicht, dass in diesem Sektor im Moment jede Menge Veröffentlichungen unterschiedlichster Qualität auf den zahlenden Fan losgelassen werden. Eine dieser Kapellen mit einem neuen Langeisen im Gepäck sind VOGELFREI aus Torgau, die es immerhin schon seit 1992 gibt. Der vierte Longplayer „Der Dämmerung Entgegen“ ist die erste Veröffentlichung seit 7 Jahren und im Infotext werden „Streetrock-Perlen mit inhaltlichem Tiefgang“ versprochen. Scheinbar hat aber die Band das etwas anders verstanden, denn Streetrock hört sich für mich definitiv anders an. Obwohl die Produktion sich an sich ganz gut anhört, vermisse ich die Räudigkeit der Strasse auf ganzer Linie. Die Musik plätschert dahin und textlich wird hier grösstenteils nach dem „Reim dich oder ich Fress dich“-Schema agiert. Sicherlich triefen die Songs nur so vor Pathos und Herzschmerz („Der Dämmerung Entgegen“, „Bis Zum Letzten Atemzug“), aber der Funke will nicht so richtig zünden. Da nutzt auch der Einsatz einer Mundharmonika nichts.
„Der Dämmerung Entgegen“ erinnert mich an so manch obskure OI!- und Streetrock-Veröffentlichung aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, als auch schon einmal so ziemlich alles auf den Markt geworfen wurde, was einigermaßen in das Klischee passte. Eigentlich hätte man bei VOGELFREI denken müssen, dass nach 7 Jahren ein Album herauskommt, welches Substanz und Arsch hat. Aber leider Fehlanzeige. Aber trotzdem bin ich mir sicher, dass es hierfür auch Fans geben wird.
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