Ringworm - Scars
von: Henning Moser
Es soll ja bekanntlich Musikalben geben, bei denen der Titel schon ziemlich viel über das aussagt, was auf dem entsprechenden Album erstens emotional und zweitens musikalisch so geboten wird, ziemlich perfekt funktioniert diese Kombination im Falle des neuesten Lebenszeichens der Brutalos "Ringworm" aus Cleveland, die sich bereits vor 20 Jahren gründeten und nun der Welt ein weiteres Päckchen mit der Aufschrift "Handle with care - Purest Anger inside" präsentieren, das unter dem kurzen und prägnanten Namen "Scars" firmiert.
Das Thema Emotionen lässt sich bei diesem Album wie folgt beschreiben: Stell dir einfach vor, ein Mensch, der innerlich voller Narben ist und nun endgültig an einem Punkt angekommen ist, an dem er von den Abgründen dieser Welt und ihren Menschen die Schnauze voll hat und infolgedessen den Plan hat, diese auszulöschen (Voluntary Human Extinction). Auf diesem Pfad geht es nun an das bereits angelegte düstere Grab dieser Menschheit (To The Grave) und all das, was von den Menschen dieser Erde noch in irgendeiner Form übrig geblieben ist, wird aufgebraucht bzw. ausgespuckt (Used Up Spit Out), bevor die eigenen Narben noch einmal in einer etwas längeren Abhandlung thematisiert werden (Scars).
Im Anschluss daran entwirren sich beim Fortschreiten auf dem bereits beschriebenen Pfad so langsam aber sicher die wirklichen Gründe für die Narben auf der Seele (Unravel) und der Fall der Menschheit zeichnet sich immer deutlicher ab (Cleansing Of The Fall). Nachdem nun die Menschheit die Brücken zu ihrem endgültigen Grab überquert hat, werden diese auch in rasender Schnelle niedergebrannt (Burning Bridges) und nun sind auch die Engel vor nichts mehr sicher (Angel Fuck). Das Individuum, dass voller innerer Narben auf diesem düsteren Pfad wandelte ist nun auch am Ende angekommen und innerlich völlig ausgebrannt (Empty), während von nun an die Menschheit in ihrem Grab an die Hölle gebunden ist (Hellbound).
Ich hoffe, diese kranke Geschichte, die sich beim Hören der Platte und beim Betrachten der Songtitel in meinem Kopf aufgetan hat, kann mir verziehen werden, aber anders ist der Hass und die Wut, die auf "Scars" zutage kommt einfach nicht in Worte zu fassen.
Nachdem jetzt bekannt ist, auf welche Stimmungslage ihr euch bei "Scars" einlasst, kommen wir nun zum musikalischen Teil und auch hier lässt "Scars" eigentlich keine Wünsche offen, denn Ringworm vertreten hier als eine der letzten Verterter ihrer Spezies, den reinen "Cleveland Hardcore" der 90er. hier gehen Trash, Metal und wirklich harter Hardcore eine wunderbare Verbindung ein, die vor Wut und Energie nur so strotzt. Klassische, trashige Gitarrenriffs treffen auf die für Ringworm so typischen kleinen Soli und Human Furnace kotzt sich wie eh und je die Seele aus dem Leib, dazu kommen ein paar schöne, kleine, klassische und old-school Metal-lastige Moshparts und man kann sich ganz genau die Anzahl blutiger Nasen in der Moshpit aufgrund genau dieser Musik bildlich vorstellen. Für jeden, der klassischen, schnellen, trashigen und einfach nur brutalen Hardcore mag, ein Muss, für alle Anderen, die auch nur irgendwie mit solch schmutziger (im absolut positiven Sinne gemeint) Musik etwas anfangen können, absolut empfehlenswert!!!
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