George Lynch - Kill All Control
von: Tim Rausse
Subjektiv gar nicht so lange her, als ich im ländlichen CD-Laden nach der neuen Scheibe von Lynch Mob gefragt habe und man mir mit Empörung gesagt ausrichtete, dass man solche Schweinereien nicht führe. Objektiv dürfte seit dem doch ein Weilchen ins Land gezogen sein – Internet gab es damals nicht, und den ländlichen Plattenladen gibt es auch seit einigen Jahren nicht mehr. Und ein Blick auf Plattencover verrät, dass es vor 19 Jahren gewesen sein muss. Alles klar. George wird alt(...und ich?)!
Schauen wir mal was der ehemalige Flitzefinger von Dokken heute so macht. Und nanu: während sich so manch ein Altheavy heute wieder auf dem Markt sehen lässt, weil offensichtlich das Geld ausgegangen sein muss, und sich dort immer noch im tausendfach gehörten Sound der 80er und 90er tümmelt, was selbst hartgesottene ehemalige Fans langweilt, ist das hier mal ganz anders:
Mr Lynch kommt hier mit einer modernen Rockproduktion daher. Schon der Opener, der den Namen des Albums trägt, lässt keine Zweifel aufkommen, dass dieser Mann im positiven Sinne mit der Zeit gegangen ist. Nicht falsch verstehen: Wer hier poppige Loops oder Vergleichbares sucht, wird nicht fündig werden. Diejenigen aber, die ehrlichen Rock (natürlich mit Metalelementen) suchen, werden aufatmen. Geniales Gitarrespiel ohne Donnerhall (auch nicht auf den Drums!) kein Schnick Schnack. Bei der Suche nach vergleichbaren Sounds gerate ich etwas ins Schleudern: Nicht dass es sie nicht gäbe, aber Lynch verpackt so viele Stilistiken und kocht daraus sein eigenes Süppchen, dass mir einfach die Vergleiche fehlen. Der Gitarrensound ist ähnlich pur wie bei Velvet Revolver, der coole Gesang kann mal so richtig leiern wie bei Dio, auf der anderen Seite klingt er nie altmodisch, die Songs sind groovig und harmonisch interessant.
Einer meiner Favouriten auf dem Album: Nr. 3 (Fly On The Wall). Mr Lynch zeigt, dass ein guter Gitarrist kaum Effekte braucht und Songdienlichkeit vor Didel-Dudel steht. Das ganze im traditionell-hymnischen Gewand.
Bei der folgenden Nummer (Brand New Day) hat er nicht ganz auf Effekte verzichten wollen, hat aber dennoch einen traditionellen und direkten Gitarrensound und die Mid-Tempo Nr. erinnert vom Gesang her ein bisschen an Sabbath. Bei Nr. 5 (Wicked Witch) ist das schon wieder ganz anders. Typisch amerikanisch klingende Akustikgitarren untermalen einen stilistisch fast schon an Chris Cornell erinnernden Gesang. Auch das Intro der Nr. 6 (Voices In My Head) hätte von Soundgarden kommen können. Sobald der Gesang einsetzt, sind wir aber wieder in 2011 und die Gitarren sind hart und direkt. 07 (Resurrect Your Soul) fällt dann ein bisschen zurück – Mucker Mucke. Die Nummer 8 (Rattlesnake) überzeugt dann wieder mit geradem amerikanischen Hardrock und nicht nur der Namen erinnert ein wenig an Skid Row. 09 (Sun) geht gut ins Blut und hat einen mal richtig eingängigen Ref. Man on Fire, ist solider Us-Metal. Nr. 11 (My Own Enemy) kommt dann wieder etwas ruhiger daher und klingt cool. Son of Scary, die Nr. 12, hat nichts Überraschendes, und hier zieht man sich dann doch darauf zurück auf Dideln und Dudeln, schade, braucht kein Mensch. Mit Go It Alone findet man dann aber wieder einen gelungenen und soliden Abschluss.
Trotz kleinerer Schwächen bin ich von dem Album ziemlich begeistert.
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