Victorian Halls - Charlatan
von: Henning Moser
Die "Victorian Halls" aus Chicago sind mit ihrem neuen Langspieler "Charlatan" am Start und obwohl ich sehr viel harte und demzufolge auch sehr laute Musik höre, muss ich gestehen, dass es für mich wirklich eine Anstrengung bedeutet hat, dieses Album in einem Durchgang komplett durchzuhören, denn es trieft nur so vor Effekten, Stilwechseln und elektronischen Parts und dazu kommt ein Gesang, der sich zumindest für mich persönlich über weite Strecken so anhört, als würde ich meine Katze festhalten, ihr dabei leichte Elektroschocks verpassen und sie dabei zum Singen zwingen.
Eins kann man den 4 Chigagoer Jungs definitiv nicht absprechen und das sind Ideenreichtum und Kreativität und somit ist definitiv jeder Song von Grund auf anders und eine Ansammlung verschiedenster Sounds für sich, jedoch wirkt das Album zumindest auf mich zu großen Teilen einfach erzwungen freakig und auch überladen von verrückten Parts.
Die Band selbst vergleicht ihre Musik auf ihrer Myspace-Seite mit Pollock-Gemälden, was teilweise in so mancher Hinsicht sogar passend ist, denn auch Pollock-Gemälde sind häufig sehr bunt, sehr verrückt gestaltet und lassen einen oft etwas verwirrt zurück und genauso verwirrt fühle ich mich persönlich gerade von "Charlatan", was meiner Meinung nach durchaus für einige Qualitäten der "Victorian Halls" spricht. Wenn ich so über den Vergleich mit den Pollock-Gemälden nachdenke, fällt mir noch ein ganz anderer Vergleich ein, denn nach dem ersten Hören dieser Platte fühlte ich mich ziemlich genau so wie nachdem ich das erste Mal "Fear And Loathing In Las Vegas" geschaut hattee, man merkt daran, wie verwirrt ich von dieser Platte bin.
Mit diesem Album sind Freunde von Songs, die nach Eigenaussage der Band auf einem Pop-Songwriting basieren, gemixt werden mit elektronischen Parts und Effekten bis zum Anschlag, mit einer verrückten und zumindest zuerst etwas merkwürdig anmutenden Stimme versehen werden und auch genug Lärm und Teile aus dem Rock/Punkrock enthalten sehr gut bedient, genau wie auch Musikfreunde- und freundinnen, die in der heutigen Zeit, in der es so unglaublich viel verschiedene Musik auf dem alternativen Musikmarkt gibt, einfach mal wieder völlig verwirrt und auch etwas erschöpft von einem verrückten, durchgeknallten Album dastehen wollen oder morgens einfach mal einen üblen Koffeinschub durch Musik ersetzen wollen, durchaus mal einen Hördurchgang riskieren sollten.
Ich persönlich halte dieses Album außerdem auch für absolut discogeeignet, denn die Songs sind ziemlich tanzbar und auch von seiner Grundstimmung passt es perfekt zu derartigen Stimmungslagen. In meinen Augen wird dieses Album ziemlich stark polarisieren, denn erst einmal denke ich, dass "Charlatan" ein Album ist, dass bis zur Gewöhnung so einige Hördurchgänge benötigt und darüberhinaus letzten Endes nach vielen Durchläufen entweder ausgekotzt oder in großen Ehren gehalten wird. Welche dieser Möglichkeiten auf euch zutrifft, solltet ihr am Besten selbst herausfinden, denn zumindest einmal gehört haben sollte man dieses ziemlich spezielle Album schon.
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