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Chuck Ragan - Covering Ground

von: Henning Moser
Wertung:
10 von 10 Punkten
Label:
Sideonedummy Records
V.Ö. Datum:
16.09.2011
10 Tracks
Artistinfos: Chuck Ragan
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Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Gefühle an einem Tag im Mai 2006, als ich erfuhr, dass "Hot Water Music" eine längere Schaffenspause einzulegen gedenken und befürchtete, dass ich unter Umständen nie wieder etwas Neues von "Hot Water Music" bzw. Chuck Ragan zu Ohren bekommen werde. Die Emotionen, die ich an diesem Tage in mir trug, werden wahrscheinlich sehr viele andere mit mir geteilt haben. Obwohl ich die Absicht zur besagten angekündigten Pause natürlich vollends verstehen konnte, hoffte ich doch immer sehr stark, dass sich das Blatt doch eines Tages wieder wenden möge.

Und siehe da, ziemlich genau ein Jahr später wusste ich, das Hoffen hatte sich gelohnt, denn mit "Los Feliz" veröffentlichte Chuck Ragan sein Solo Live-Album und nur ein paar Monate später erblickte bereits "Feast Or Famine", das erste Studioalbum Chuck Ragan`s die Welt. Im Frühjahr 2008 war Chuck Ragan dann zu meiner Freude auch noch zusammen mit "Hot Water Music" wieder unterwegs.

Dieser Tage sind die alten Befürchtungen um die musikalische Zukunft sowohl von "Hot Water Music", als auch von Chuck Ragan längst wieder verflogen und man kann sich einer Aktivität sowohl der Band, als auch des Frontmannes Chuck Ragan erfreuen, wie sie größer fast nicht sein könnte, denn Chuck ist zurzeit wieder mit "Hot Water Music" unterwegs und spielt nebenbei sogar noch ein paar Soloshows um im intimen Rahmen den Nachfolger von "Gold Country" (2009) mit dem Namen "Covering Ground" zu präsentieren. Im Oktober ist er dann hierzulande schon wieder mit der von ihm ins Leben gerufenen "Revival Tour" unterwegs.

Okay, nun genug des Vorgeschwafels, nun geht`s ans Eingemachte des neuen Studioalbums "Covering Ground", auf dessen Erscheinen hierzulande noch etwas weniger als einen Monat geduldig gewartet werden muss.

Das Album beginnt mit "Nothing Left To Prove" in klassischer Chuck Ragan-Manier und man ist auf irgendeine besondere Weise direkt Mitten im Album gefangen, denn Chuck`s charakteristische Stimme, seine klassische, einfach strukturierte Gitarrenarbeit und Jon Gaunt`s unverwechselbare Spielweise an der Fiddle ziehen den Hörer schnell in ihren Bann. Bei "Nomad By Fate" fühlte zumindest ich mich durch intensives Zuhören, als würde ich mit vielen netten Menschen um ein Lagerfeuer Mitten in einer schier unendlichen Landschaft in den USA sitzen, musizieren und Spaß haben. Auch dieses Lied geht direkt ins Ohr und der Sound der Fiddle, sowie der Backgroundgesang tun ihr Übriges, um einen unverwechselbaren, tollen Song zu erschaffen.

Der Weg durch "Covering Ground" wird mit "You Get What You Give", einem powervollen Song, in dem vollends deutlich wird, wie viele intensive Emotionen Ragan`s Stimme so aus seinem Inneren zu transportieren vermag, am Ende des Songs kommt ein Akkordeon zum Einsatz, dass absolut super in die gesamte Stimmung des Liedes passt, direkt danach wird der nächste Track "Wish On The Moon" absolut klasse durch Jon Gaunt`s Fiddle eingeleitet, die Power aus dem vorherigen Song bleibt erhalten und zumindest in mir entwickelten sich durch die beiden vorgenannten Songs tiefste Freiheitsgefühle.

 "Come Around" und "Seems We`re OK" beanspruchen den Gehörgang mit etwas bedächtigeren, dafür aber emotional sehr tiefgängigen Klängen, beim erstgenannten Song kommt zum ersten Mal auf diesem Album der Kontrabass richtig zur Geltung und leitet "Come Around" auf interessante Weise ein, bei "Seems We`re OK" kommt erstmals die Mundharmonika zum Einsatz und trägt zur emotionalen Tiefe des Songs bei. Zwei absolut charakteristische Chuck Ragan-Songs, begleitet von tollem Backgroundgesang, die absolut ans Herz gehen.

Mit dem siebten Song des Albums "Valentine" präsentiert Chuck Ragan eine neue Version des bereits vor einiger Zeit veröffentlichten Songs, die neue Version ist fidellastiger, was hier aber absolut positiv gemeint ist und im Duett mit Audra Mae zeigt sich der Song auch einmal in einem etwas anderen Gewand. Chuck Ragan weiß sogar gospelartige Songs zu schreiben, was er mit dem achten Song "Right As Rain" deutlich macht, natürlich leistet auch Jon Gaunt an der Fiddle wieder einmal großartige Arbeit. "Right As Rain" wird gefolgt von einem weiteren druckvollen, energiegeladenen Song "Meet You In The Middle", bei dem zumindest in mir die Emotionen überzukochen drohten. Den Backgroundgesang in diesem Song wurde keinem geringeren als Brian Fallon, dem Frontmann von "The Gaslight Anthem" übertragen, der mit seinem unverwechselbaren, rauen Organ die Aussagekraft des Liedes noch einmal deutlich erhöht. Es ist einfach ein riesiger Genuss Chuck Ragan und Brian Fallon in einem Song mit ihren jeweils absolut charakteristischen Stimmen singen zu hören und man bekommt definitiv Lust auf mehr davon, die ja zum Glück schon im Oktober diesen Jahres auf der "Revival Tour" befriedigt werden kann.

"Covering Ground" und somit eine tolle und abwechslungsreiche Reise durch Folk, Americana und Punkrock endet mit "Lost And Found", einem ruhigeren, vom Banjo begleiteten Song, der nach etwas über vier Minuten zu enden scheint, jedoch nur durch eine längere Soundsequenz von Straßengeräuschen unterbrochen wird und dann noch weitergeht. Der zweite Teil des Liedes wird durch eine Mundharmonika eingeleitet und  erinnert mich an klassische amerikanische Akustiksongs, besitzt aber dennoch eine ganz klare, eigene Note.

Chuck Ragan macht mit diesem Album wieder einmal klar, dass er einer der engagiertesten, fähigsten, tourwütigsten, tiefgängigsten und ehrlichsten Singer/Songwriter dieser Tage ist. Die meisten Songs auf "Covering Ground" wurden nach seiner Aussage "on the road" geschrieben, was meiner Meinung nach im Sound ganz deutlich zutage tritt. Das ganze Album strotzt nur so vor Energie, Leidenschaft und Enthusiasmus und in wirklich jedem Song zeigt sich die riesige musikalische Erfahrung, die Chuck Ragan durch mittlerweile 17 Jahre Musikerleben besitzt. Abschließend bleibt mir nur noch, eine uneingeschränkte Empfehlung für dieses wunderbare, bodenständige und ehrliche Stück Musik auszusprechen und der Aussage von SideOneDummy-Records "trust us, it sounds pretty damn good" ist meiner Meinung nach definitiv Glauben zu schenken.

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