Arglistige Toischung - Oi! To The Corpses
von: Stefan SchulzeDie Münchener Band Arglistige Toischung bringt nicht nur ein nettes und buntes Booklet mit professionellen Fotos mit, sondern macht auch noch gute (Punk)Rock Mukke. Rauher Frauengesang mit ausgereiften Bass-Sound... und texten??? Zum einen heißt es im ersten Song: "Wir sind Arglistige Toischung, trinken literweise Bier und sind ne herbe Enttäuschung". Widerspruch! Denn genau die herbe Enttäuschung ist diese Band nicht. Hochdeutscher Gesang, bei dem der weibliche Gesang eine echte Erfrischung bedeutet... und da wir schon beim Bier sind... ES PERLT!
Aber man gibt sich auch international. Klar, wenn man aus einer Stadt kommt die jährlich rund 70 Millionen Touristen anzieht. Als ich den Text von "Roots" gelesen habe, musste ich grinsen. Worte wie "remember your roots" und "stand proud" dürften der Band eine Stellungnahme abverlangen. Und klar, so ist es. Mal auf der Myspace Seite der Band vorbei geschaut und schon liest man wehrhafte Zeilen gegen den Vorwurf eine Nazi-Band zu sein. Überlegungen aus welchem Kreise die Vorwürfe kommen könnten lohnen sich nicht wirklich, muss dich heute jede zweite deutschsprachige Band mit eine Statement gegen entsprechende Vorwürfe wehren. Die Geschichte um Sängerin Jessica Fasel zieht allerdings weitere Kreise. Vorwürfe ihrer Tätigkeit in Migliedschaft der Kameradschaft Süd gegenüber sind mit Sicherheit angebracht, aber im Gegenzug dazu findet sich ein amüsante Stellungnahme der APPD München (und man besteht auf ANARCHISTISCH) im Internet (weitere Recherchen kann jeder selbst anstellen oder am besten die Band Fragen, dann hat man es aus erster Quelle).
Man geht es mir gut! Ich muss mich nicht gegen was wehren: ganz im Gegenteil ich kann mir die Musik der fünf Bayern einfach gefallen lassen. Auch wenn Songs wie "Freund oder Feind" mich musikalisch nicht wirklich ansprechen. Denn in dem dritten Song des Albums "Oi! To The corpses" beissen sich die Texte mit dem Sound. Irgendwie fehlen die Reime, die den Gesang rund klingen lassen. Auch wenn nicht immer ein Freund der Dichter und Denker Lyrics bin, wären Sie hier wahrscheinlich angemessener gewesen. Weiter also zu "Punks And Skins Devided"... huch, kleinen Schreibfehler gefunden was... sollte doch bestimmt "divided" heissen, oder? Es klingt etwas Hass aus der Stimme von Sängerin Jesse, die gerade mit einer der beiden Szenen abrechnet. Oder meint sie doch nur einzelne Personen? Der Text zumindest lässt Interpretationsfreiheiten zu. Und das ist wahrscheinlich auch das Beste. Denn bei Schwierigkeiten zwischen verschiedenen Subkulturen kennt doch jeder von uns entsprechende Probleme! Und die sind schließlich auf jeden individuell übertragbar. Irgendwie erinnert sie mich während einiger Passagen stimmlich etwas an Ina Deter (Ina Deter Band - Neue Männer Braucht Das Land - 1982).
Und was kommt dann. Man bedient sich der Melodie des Nancy Sinatra Klassikers "These Boots Are Made For Walking", macht eine echt rockige Nummer daraus und singt einfach "Our Boots Are Made For Riot". Wenn ich allerdings meine Schuhe "to riot" trage, könnte ich mit denen echt Krawall machen. Oder darf es auch "for" heissen. Ach ich bin mir nicht sicher und will auch nicht länger darauf herumreiten, schließlich handelt es sich um einen toll gesungenen Song, der ganz sicher dafür da ist seine Boots vor der Bühne tanzen zu lassen. Gesanglich noch besser gefällt mir allerdings der "Hey Fox". Klasse Sound.
"Candlelight Corpses": Wieder was neues zu entdecken. Zweistimmiger Gesang und dazu noch ein männlicher Part und nicht etwa der andere weibliche Part Anna(lisa). Wer von den drei männlichen Musikern es allerdings ist, der da am Mikrofon steht, ist dem Booklet leider nicht zu entnehmen. Klassische Songs mit Titeln wie "Kapitalismus", "Barhymne" oder "Weekend Feeling" sind inhaltlich keine Neuerfindung, gehören aber einfach auf so ein Album und klingen dazu auch noch gut! Auch König Fußball bleibt nich außen vor... verständlich für die Fußballregion München (1860 ole). Aber warum die Frauen der Band nur Sachsenjungs eine Chance geben und nicht etwa Kerlen aus anderen Bundesländern bleibt mir ein Rätsel. Ob es nur der Dialekt ist, der Sängerin Jesse im letzten Song so anmacht? Bitte, kommt doch mal in den Ruhrpott... wir quatschen zwar nicht soviel wir die Sachsen, dafür können wir aber ganz andere Sachen.
Aber mal ernst! Nicht nur um es den Konkurrenten aus dem Osten zu zeigen, sollte die Band mal vorbeischauen. Ich würde mich gerne mal von Live Sound der Band überzeugen. Denn das Album hat mir gut gefallen.
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