Jesus On Extasy - The Clock
von: Stefan Schulze
JESUS ON EXTASY haben einen neuen Longplayer, der ab dem 7. Oktober in den Handel kommen wird. „The Clock“ heißt der neue Rundling, der nicht nur neue Songs wiederspiegelt, sondern gleich auch noch ein neues Line-Up. Denn neben Gründungsmitglied Chai und Drummer Dino sind mit Sängerin Manja und Basisst Chris gleich zwei Neuzugänge mit an Bord. Nach der Trennung der Band sah erst so aus, als wären JESUS ON EXTASY im Erdboden versunken und die Band endgültig aufgelöst. Doch wie uns Chai bei Pre-Listening erzählte, wollte er JOE nicht einfach so „sterben“ lassen. Ein „Tritt in den Arsch“ sorgte für neue Motivation und mit „The Clock „ beginnt ein neues Kapitel der Band: JoE 2.0!
Flüsterstimmen eröffnen den Opener „Freak Me Out“, der auf Grund seiner Geschwindigkeit und der eingehenden Melodie auch als Club-Track geeignet ist. Gleich hier wird die Stärke des neuen Quartetts klar. Süße Stimme gepaart mit 1A rockigen Gitarrenparts. Und immer wieder die Verzerrungen im Gesang und andere technische Spielerein. Gleich zu Beginn ein Kandidat der den Titel „Top-Song“ verdient. Etwas industrieller beginnt „Lost In Time“ und die X-Perience, Illuminate und Ex-Weltenbrand Sängerin übernimmt hier den federführenden Part und kommt hinter der Deckung „Instrumente“ stark hervor. Ihre klare Stimme und die saubere Produktion sowie der übereinander gelegte Gesang sorgen für Hörspaß. Und das kommt besonders gut, wenn man sich die Scheibe über Köpfhörer anhört. Verspielter beginnt der Song „Forever Now“, der schnell als Ballade eingestuft werden könnte. Aber hier wird deutlich, was sich auch schon bei meinem ersten Eindruck vor ein paar Wochen abzeichnete. Durch die technischen Spielereien im Refrain und Tempowechsel werden auch Stimmungswechsel hervorgerufen. Wird es während der Strophen melancholisch, so wird es an andere Stelle des gleichen Songs wieder „heller“. Und diese Berg und Talfahrt zieht sich durch viele der Songs dieses Albums. Ein ganz klares Plus ist aber auch das Frontfrau“chen“ Manja im Gegensatz manch anderen Female Fronted Bands ihre eigene Identität behält und dadurch wiedererkennbarer ist, als andere Damen der zarten Stimmzupft.
Ein weiterer Highlight-Song, der mir beim ersten Hördurchgang gar nicht so in „Ohr“ gefallen ist, ist der zweistimmig gesungene Song „Snow Of Syberia“ , bei dem Ski (The Mighty Ski-King / Beloved Enemy) einen Part übernommen hat und mit sich Sängern Manja abwechselt. Wie diese Kooperation zustande kam? Na erst einmal ist Gitarrist Chai ebenfalls Mitglied der Band BELOVED ENEMY und zweitens passt die tiefe Stimme von Ski zu 100%. Ich bin allerdings gespannt, wie der Song live umgesetzt wird. Ob Ski part der Live-Show sein wird? Bei dem Titeltrack „The Clock“ fiel mir gleich das Cover Artwork ins Auge! 5 vor 12… ist das der Song der apokalyptische Gedanken auslöst. Nein, ist er nicht. Die langsame Melodie und die ruhige Stimmung geben der Sängerin die Chance ihre wahre Gesangskunst zu beweisen. Balladen und ich…. ne, lieber nicht! Aber hier ist endlich mal wieder eine, die einen Aha-Effekt auslöst. Und zwar einen ganz simplen…. „JA, die Frau kann singen“! Spätestens – aller spätestens - hier wird es deutlich! Normalerweise muss man mich von den meisten Balladen erlösen. In diese Fall zwar nicht, aber wenn es so wäre, würde das mein Lieblingssong dieses Albums „Vendetta“ tun. Ein Track der auch ohne Remix-Version für den Club geeignet ist. Ordentlicher Beat gepaart mit rockigen Gitarrenparts… das trifft dann auch genau meinen Geschmack.
Die weiteren Songs, soviel sei verraten, spielen mit ihren Vorgängern in einer Liga. Einziger Makel ist das DURAN DURAN Cover von Ordinary World (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Joe Cocker Song). Ich könnte nicht sagen, dass ich derzeit eine Band kenne, die das Lied tatsächlich mal anfassen sollte. das liegt aber dann eher daran, dass ich ein Freund des Originals bin und diesen dann auch lieber in dieser Version höre. Richtig interessant finde ich nochmal die Remix Version von „Heartless“. Die monotonen Beats, die meist in gleichen Zeitabständen erklingenden Töne des Klaviers und der Gesang von Manja zeigen bei mir ihre Wirkung. Nein, Tränen laufen mir nicht die Wange herunter, aber dieser Song ist der, der mich am emotionalsten anspricht. Vielleicht weil man mit einer Länge von um die 6 ½ Minuten auch die Zeit hat in Gedanken zu versinken. Neben den regulären 10 Tracks, dem Cover Song und der Re-Mix Version von „Heartless“, befinden sich auch noch der Track „Nothing To Cry For“ als „Hotel Room Session“ Version auf dem Album (in dem man die Sängerin auch mal ohne technische Unterstützung hören kann) und der Bonus Track „The Mirror“ auf dem Album.
Ein Wort zum Schluss: 5 vor 12! Das Cover zeichnet ein düsteres Szenario, doch die Band schafft es schnell den Hörere aus diesem "Tief" hervorzulocken. Denn bei "The Clock" treffen tanzbare Beats auf emotionale Melodien und "female voices" auf spielerische Sounds. Mit diesem abwechslungsreichen Album haben die neuen und alten Mitglieder von Jesus On Extasy ihre Feuertaufe bestanden. JoE 2.0. haben mir mit diesem neuen Album einen neuen Zugang zur Band und ihrer Musik ermöglicht. Wenn ein „Arschtritt“ für so einen Output sorgen kann, sollte sich so mancher Musiker öfter mal einen abholen!
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