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Sebastian Badenberg - Welcome to My Circus-Circus

von: Stefan Schulze
Wertung:
8 von 10 Punkten
Label:
Crazy Love Records
V.Ö. Datum:
18.11.2005

Artistinfos: Sebastian Badenberg
Sebastian Badenberg Homepage  Sebastian Badenberg on LastFM

Sebastian Badenberg - Titanic und Pardon Satire Autor - kommt mit seinem Hörbuch "Welcome To My Circus Circus" daher. Einigen bekannt auch aus den OX-Fanzine Kolumnen. Alle Texte sind von dem Regisseur, Theaterschauspieler und Sprecher Olaf Reitz gesprochen.

Das Intro und das Outro beinhaltet zwei Songs der Wuppertaler Band "Cruisers". Hey Mr. Songwriter - 1985 als limitierte Vinylsingle beim Lable "Pigture Disc" erschienen und - There's No Use To Knock Around My Door - 1988 auf dem Album "Rumble Again" raus gekommen. Neben den Songs sind aber auch die Texte gut "hörbar". Wer unter anderem Lust auf Cosma Shiva Hagen Stories hat, wissen will wie des Autors Bruders Nazis verkloppt und wie es dabei um die Brudersolidarität steht oder auch wie sich Herr Badenberg im hohen Alter von seinem Zivi zum Pogokreis fahren lässt, der sollte unbedingt zugreifen.


Damit ihr wisst was auf euch zu kommt. Hier der Track 4 einmal schriftlich aufgeführt.

Was nützt das Saufen in Gedanken?

Cosma Shiva Hagen saß auf meinem Gesicht. Ich bekam kaum noch Luft. Trotzdem war es irgendwie schön. Ich war ihr ganz nah. Verspielt drückte sie ihre Zigarette in meinem Auge aus. Wir waren ein süßes Paar. Verstanden uns blind. Horst Köhler hielt derweil meine Hand. Redete mit seiner schönen, warmen Stimme zärtlich auf mich ein. Er versuchte es mir schonend beizubringen. Ich war ihm so unendlich dankbar dafür. Konnte die Tränen nicht zurückhalten. Dresden wurde wiedermal von den Engländern bombardiert. Diese verdammten Schwuchteln. Wir hatten die Frauenkirche doch gerade erst wieder aufgebaut. Würde sich die Queen diesmal dafür entschuldigen? Ich war verzweifelt. Gerne hätte ich Cosma und Horst mit einer Erektion meinerseits ein kleines Kompliment für ihre Bemühungen gemacht. Aber das ging nicht. Ich war einfach zu betrunken. Meine Gedanken flossen zäh in einem Strom von Gin-Tonic, Jägermeister und Poppers Richtung Meer. Der Führer schenkte derweil den Klonen eine Stadt. Ich war nicht im Stande diesen Moment festzuhalten. Musste loslassen. Es war längst zu spät. Wuppertal! Mein Wuppertal! Oberbarmen war verloren, Barmen stand in Flammen und Unterbarmen braucht seit dem tragischen Tod des Zweisteins wirklich keine Sau mehr. Alles schien sinnlos. Meinem Unterkörper näherte sich die Barke mit der gläsernen Fracht. Ich begrub das Herz eines stadtbekannten Chefredakteurs in Wuppertal. Mein letzter Dienst an dieser Stadt. Dann verlor ich das Bewusstsein. Stille, Kälte, Zeitlosigkeit. Ein komisches Gefühl. Ich tauchte zum Grund meiner Seele. Suchte dort nach Wahrheit und Erkenntnis. Sah mich selbst durchs Wuppertaler Luisenviertel schlendern. Glücklich. Blumen schmückten die Straßen, die Mädchen trugen weiße Kleider, Vögel zwitscherten. Ich ging am Café du Congo vorbei, ließ das Katzengold links liegen und würdigte das Beatz und Kekse mit keinem Blick. Frieden lag in der Luft. Mein Ziel war unklar. Mein Weg nicht vorgezeichnet. Ich drehte um und fing an zu laufen. Schneller. Immer schneller. Auf der Höhe des Luisen-Cafés versperrte mir der Gehörnte mit dem Pferdefuß den Weg. Lucifer! Alles stand in Flammen. Es regnete Pech und Schwefel. Babylon brannte. Peter Jung war Oberbürgermeister. Nazis saßen im Stadtrat. Der Teufel nahm mich bei meinen Zügeln, brannte mir sein Zeichen auf die Brust und zwang mich in die Knie. Mit stinkendem Atem beugte er sich lüstern über mich. Blitze zuckten. „Wuppertal! Wuppertal! Warum hast Du dich von mir abgewendet“, hörte ich die Stimme Gottes durch das flammende Inferno schallen. Lucifer gab dem Unfehlbaren die Antwort. Er zog mich zu sich hoch, küsste mich und flüsterte mir die Textzeilen eines Extrabereit-Songs ins Ohr: „ Deep in der Heart Of Der Viertes Reich Wir wachsen heran Chromosomengleich Wir lachen und singen Wir tanzen und springen Because we’ve got Eine Stadt für uns allein..." (Extrabreit „Der Führer...“)




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