Double Release Party im turock

Eingetragen von: Stefan Schulze


Passend zur Veröffentlichung der neuen Alben von Dream Evil (Century Media Records) und Orden Ogan (AFM Records) fand im turock Essen (29.01.2010) die Double Release Party der Bands statt. Als Support standen Everflow und Solar Fragment auf der Bühne.

Als erste Band hatte es Everflow natürlich etwas schwerer als die Nachfolger. Denn das Publikum war bei den Power-Prog Metallern aus Recklinghausen noch sehr zurückhaltend. Doch wenn Gitarrist Marc Bräutigam mit seiner weißen Gitarre nach vorne kam und die Saiten strapazierte, dann tauten auch einige Besucher kurzfristig aus. Denn die Parts die Freiwald „zockte“, waren klasse und nach den ersten Songs, wartete man praktisch auf seinen Einsatz. Für das Keyboard zeigte sich Romuald Tichawski verantwortlich, dessen  wirklich „hörbaren“ Einsätze sich zumeist auf den Anfang oder das Ende der Songs konzentrierten. Dafür war Coolness angesagt… dieser Eindruck verschaffte nicht nur die Stachelfrisur des Keyboarders, sondern auch die Zigarello, die lässig zwischen den Lippen runter hing! Sänger Thorsten Drees zwischenzeitlich den neuen Mann hinter den Toms an. Markus Freiwald bedient seit dem Ausstieg seines Vorgängers Matt die Sticks. Ein souveräner Auftritt der Band, der allerdings nicht jeden Gast überzeugen konnte. Denn die Damenwelt hinter mir war sich in Bezug auf Sänger Thorsten sicher: „Schöne Haare hat er ja, aber die Stimme, na ja“. (O-Ton).

Die Power Metaller Solar Fragment aus Dortmund standen als nächstes auf der Bühne. Und siehe da, Gitarrist Marc von Everflow war auch wieder da und half der Band aus. Sänger Robert Leger wies gleich zu Anfang darauf hin, dass die Band nur eine kurze Tracklist auffährt, da die Zeit auf der Bühne dann doch begrenzt war. Und somit fiel auch das vom Publikum geforderte Schlagzeugsolo aus. Mittlerweile waren ein paar mehr Gäste eingetroffen und die ersten Reihen dankten der Band durch den Einsatz „zahlreicher“ Pommesgabeln, die in die Höhe gereckt wurden und durch das Mitsingen der Refrains und Headbanging. Und natürlich wurde nach dem letzten Song auch das Bierglas zum Wohle gehoben. PROST. Auf den guten Auftritt von Solar Fragment

Es folgte der Auftritt von Orden Ogan, die Songs aus ihrem neuen Album “Easton Hope“ präsentierten. Schon vor Auftritt, der um kurz nach neun beginnen sollte, hallten die ersten „Ogan, Ogan“ Rufe durch die Halle. Diese ließen sich auch nicht lange bitten, und betraten nach einem düsteren Instrumental-Intro die Bühne. Und wieder stand ein Keyboard auf der Bühne. Dahinter Musiker Nils, der dann und wann auch Sänger Seeb beim Gesang (Backing Vocals) unterstützte. Gleich beim Opener standen die Musker in einer Reihe auf der Bühne und ließen ihre Matten schwingen. Bei den ersten Tönen war ich mir nicht sicher ob Frontman Seeb dem Stimmenbruch verfallen war, aber in den Refrains war stimme dann glücklicherweise doch Stärker. Dennoch…. Bisher die schwächste Stimmlage an diesem Abend. Da hatte ich etwas anderes erwartet. Das Publikum störte dies allerdings nicht. Auch die nächsten Songs konnten mich nicht wirklich überzeugen. Sänger Seeb versuchte das Publikum einheizen, und tatsächlich antworteten die ersten fünf Reihen auf die Worte „Hallo Publikum“ mit einem lautstarken „Hallo Pussy“. Die weitere Rituale die dann folgten, haben mich nicht gerade angeturnt. Und irgendwie scheint der Gig komisch zu laufen. Selbst das Medieninteresse schien weniger geworden zu sein. Denn es standen weit aus weniger Fotografen vor der Bühne als noch bei den Vorgängern.

Was dann kam, wirft fragen auf! Dream Evil standen auf der Bühne. Die schwedische Power Metal Band hatte ebenfalls zum Gig anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums „In The Night“ aufgerufen. Doch irgendwie war der Wurm drinnen. Zwar haben mir die Parts von Leadgitarrist Dannee Demon (aka Daniel Varghamne) durchgehend gefallen, aber bei den ersten Songs klang der Sound irgendwie übersteuert. Schnell kündigt Sänger Nick Night (alias Niklas Isfeldt) Songs der Vorgängeralben an und betonte, dass er die alten Alben selbst ziemlich geil findet. Über das neue Album verliert allerdings nur wenig Worte. Und so klingen die Sounds zum Song „Made Of Metal“ aus dem 2003 erschienen Album „Evilized“ an. Die Publikum ist begeistert und holt das Besteck (Pommesgabel) aus der Tasche. Es folgen weitere Songs aus den anderen Alben und irgendwie scheint der eigentliche Anlass, nämlich die Veröffentlichung des neuen Albums, vergessen zu sein. Hat die Band gemerkt, dass die alten Songs viel besser bei den Hörern ankommen als die Neuen? Oder ist sie selbst nicht von dem neuen Album überzeugt? Auch Tracks aus dem Debütalbum „Dragonslayer“ fehlen nicht. Zugegeben, die Songauswahl ist gut und die Songs sind klasse, aber die Promotion für das neue Album fehlt irgendwie völlig. Ob die anwesenden Mitarbeiter des Labels Century Media Records sich das so vorgestellt hatten? Als dann Sänger Niklas feststellt: „Ihr wollt wohl lieber den alten Stuff hören“, bin ich etwas enttäuscht. Denn so hatte ich mir den Auftritt von Dream Evil nicht vorgestellt. Denn der Einblick in das neue Album fehlte einfach. Also, drüber hinwegsehen, sich 'nen Bierchen gönnen und einfach die alten Songs genießen, die haben es schließlich in sich.

Was ist abschließend zu sagen? Schwierig. Irgendwie hatte ich mir mehr von dem Auftritt der beiden Hauptacts versprochen. Und auch die Resonanz (Publikumszahl) hätte ich mir Zuge der umfangreichen Promotion von Seiten der Labels besser vorgestellt. Musikalisch war ich von Orden Ogan enttäuscht und bei Dream Evil hätte ich mir einige Überraschungen und Neuigkeiten aus dem aktuellen Werk gewünscht.  Was soll’s. Ein toller Abend war es im turock trotzdem.






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