Bist du auch ein Ruhri?
Eingetragen von: Stefan SchulzeLest ihr Zeitung? So ab und zu fällt einem tatsächlich mal die Kinnlade aus dem Gesicht. Wie zum Beispiel mir, als ich im Essener Stadtspiegel eine Bericht zur „Kulturhauptstadt 2010“ las. In Ihrer Ausgabe vom 21. August 2008 berichtet der Stadtspiegel mit dem „Titel Draussen vor der Kulturhauptstadttür“ über die gescheiterte Bewerbungen einiger Initiatoren, die vergeblich versucht haben ihr Projekt für das Kulturhauptstadtjahr Europas 2010 im Kulturhauptstadtbüro unterzubringen. Denn dort konnten sich Personen, Vereine, Firmen usw. mit ihrem Projekt oder Ideen bis zum 31. Oktober 2007 bewerben.
Nun scheint es unter den 2000 eingereichten Projektvorschlägen einige angekratzte Egos zu geben, wie beispielsweise die der „Kultkampagne Ruhri.2010“. Denn diese hatte die Idee, unter anderem Postkarten mit verschiedenen Motiven her- und auszustellen. Und was aus dieser Kampagne – die übrigens aus Eigenlob, Stolz und Selbstironie entstanden ist – geworden ist, hat mir echt den Atem verschlagen. Da kommen die Initiatoren Rainer Rettinger (Kommunikationswirt) und Rudi Grande (ehemals PR-Berater) auf die Idee, die Motive mit dem Spruch „Dem Ruhri sein…“ zu entwerfen. Und so wird der Tetraeder plötzlich zum Gizeh, der Baldeneysee zum Cafe Del Mar, die Lichtburg zu „Dem Ruhri sein Hollywood“ und das Fördergerüst der Zeche Zollverein „Dem Ruhri sein Eiffelturm“. Klingt ja fast so als könnte das Ruhrgebiet auf nichts eigenes stolz sein.
Für mich ein falscher Weg die Kulturstätten des Ruhrgebiets anzupreisen. Was hier als Marketing für die den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ verstanden wird, sehe ich eher als peinlichen Versuch, die Attraktivität des Ruhrgebiets auf viele berühmte Bauwerke und Orte der Welt zu projezieren. Selbst eine ironische Sicht auf diese Kampagne mag mir nicht gelingen. Und zu dem bedient man sich dann auch dem bekannten Sätzen des Essener Kabarettisten Dr. Stratmann, der mit seinem medizinischen heiteren Kabarett, in etwa den gleichen Wortschatz prägt. Was bei Stratmann lustig und urtypisch Ruhrpott klingt, kommt bei mir im Rahmen dieser Kampagne überhaupt nicht gut an und gehört schon gar nicht in den Pool der Projekte, die im Rahmen 2010 durch das Kulturhauptstadtbüro gefördert werden sollten.
So, dass war es wieder mit dem Ausflug raus aus dem Musikbusiness und einer Meinung zu seiner gesellschaftspolitischen hochbrisanten Meinungsverschiedenheit. Ach, und wer wissen will was ich am Wochenende so mache… ich bin mir sicher. Entweder fahre ich in „Dem Ruhri sein Hardrock Cafe“ (turock Essen) oder „Dem Ruhri sein Ballermann“ (Bermuda Dreieck Bochum) oder „In dem Ruhri sein Amsterdamer Rotlichtviertel“ (irgendwo ein Rotlichtviertel im Pott). Man sieht sich…
P.S. Ein Motiv würde ich allerdings gerne auf einer der Postkarten sehen. Das TurnToRock.de Logo mit dem Aufdruck "Dem Ruhri sein Rolling Stone Magazin" :-)
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